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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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IV. Fragwürdige Merowinger im Frankenreich

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Der weitere Hintergrund: Auf den Trümmern des (west)römischen Reiches ent- standen im Laufe der großen Völkerwanderung zwischen 400 und 570 n. Chr. eine Anzahl germanischer Königreiche. Von längerer Dauer und größerer Be- deutung waren jedoch nur das Westgotenreich in Spanien, das Langobarden- reich in Teilen Italiens und vor allem das Frankenreich, das im Wesentlichen das heutige Frankreich, die Rheinlande und Süddeutschland umfasste. Daneben existierte immer noch das oströmisch-byzantinische Reich, das sich im 6. Jahr- hundert. nochmals anschickte, die Römerherrschaft in ihrer ganzen ehemaligen Ausdehnung wiederherzustellen: >ordwestafrika, Teile Spaniens, vor allem aber große Gebiete in Italien selbst wurden tatsächlich zeitweilig zurück gewonnen. Auch die alte römische Provinz Gallien, das Reich der Franken, blieb im Blick- feld der Kaiser in Konstantinopel. Im Frankenreich regierte die Dynastie der Merowinger. Diese Herrscher- familie hatte mit dem Reichsgründer Chlodwig zwar um 500 den christlich- katholischen Glauben der unterworfenen gallorömischen Bevölkerung ihres Reiches angenommen, doch überlebten heidnisch-germanische Vorstellungen insbesondere bei dem herrschenden Volk der Franken noch lange Zeit diesen Glaubenswechsel. Sie rankten sich vor allem um die Königsfamilie. Dem Blut der Merowinger schrieb man eine glücksbringende Kraft zu. Dieses Königsheil manifestierte sich in allen männlichen Sprösslingen der Familie, als ihr äußeres Zeichen galt das langwallende Haar der königlichen Abkömmlinge. Jeder Kö- nigssohn war zur Heilsbringerschaft und Herrschaft berufen. Je mehr Könige, desto mehr Heil für das Reich....

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