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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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VIII. Rätsel des Nordens

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155 VIII. Rätsel des (ordens Falsche und echte Thronprätendenten in (orwegen Vorbemerkungen: Trolle, das sind heutzutage etwas putzig-hässliche Garten- zwerge in skandinavischen Vorgärten und Souvenirshops. Im Mittelalter waren es unheimliche Dämonen, bald männlich, bald weiblich, bald Riesen, bald Zwerge, gutmütig oder bösartig, vor allem aber unberechenbar wie die >atur- kräfte, mit denen sie verbündet waren oder die sie verkörperten. Man verdächtigte sie auch, Kleinkinder zu rauben, um ihre eigenen Wech- selbälger in die Wiegen zu schmuggeln. Im 12. Jahrhundert hatten sie es wohl besonders auf die norwegische Herrscherfamilie abgesehen, denn in keinem Land der Welt- mit Ausnahme Russlands oder Rumäniens- fanden sich jemals innerhalb weniger Jahrzehnte so viele fragwürdige Königskinder wie hier. >orwegen, das war zu dieser Zeit immer noch das Land der raublustigen Wikinger oder >ordmänner. Aber auf ihren überseeischen Beute-und Kriegs- fahrten an alle Küsten Europas waren sie bereits mit der höheren Kultur des christlichen Abendlandes in Berührung gekommen. >ach dem Vorbild dieser Länder entwickelten sich allmählich auch in >orwegen politische Strukturen, die über das halb anarchische Sippen-und Gefolgschaftswesen hinaus zur Ent- wicklung einer übergreifenden Königsherrschaft führten. Hinzu kam die An- nahme des Christentums. Der >orwegerkönig Olaf der Heilige ließ sich 1013 in Frankreich taufen. Freilich drohte immer wieder die Zersplitterung des Königreiches in Kleinherrschaften mit eigenen Lokaltraditionen, begünstigt durch die physische Geographie des Landes. Die regierende Herrscherfamilie, die >achkommen Harald...

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