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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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X. Frankreich

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Vorbemerkung: Französische Historiker zählen gerne die Merowinger und Ka- rolinger als die ersten beiden königlichen Dynastien ihres Landes. Aber Frank- reich als Monarchie und Staat ist im Wesentlichen ein Werk der „dritten Dynas- tie“, d.h. der Kapetinger, die in zäher Geduldsarbeit, ausgehend von der „Isle de France“ und ihrer Grafschaft Paris, die sie im 9. Jahrhundert gewannen, das in unzählige Herrschaftsgebilde zerfallene, kaum noch nominell bestehende westfränkische Königreich zum heutigen Frankreich zusammenfassten. Sie be- dienten sich dabei sehr früh auch des altüberlieferten Königsheils-Mythos. Als „rois thaumaturges“ – wunderwirkende Könige –heilten sie nach ihrer Salbung und Krönung in Reims Kranke, die von den Skrofeln, der Hauttuberkulose, be- fallen waren. Hilfreich beim Aufbau der kapetingischen Herrschaft über Frank- reich war auch der Umstand, dass jahrhundertelang, von 987 bis 1316, in unun- terbrochen direkter Linie Söhne ihren Vätern auf dem Thron folgten Ein echter Fünftagekönig: Jean I. Am 5. Juni 1316 starb König Ludwig X. „der Zänker“ von Frankreich und Na- varra (ein kleines Königreich in den Pyrenäen, das er von seiner Mutter erbte) als erster Kapetinger ohne einen Sohn zu hinterlassen. Aber es bestand noch Hoffnung: Königin Clementia, Prinzessin von Ungarn aus dem französischen Haus Anjou-Neapel, trug ein Kind unter dem Herzen. Ganz Frankreich hoffte auf einen Knaben. Die Königin flehte den Heiligen Johannes (den Täufer) um Beistand an. Tatsächlich gebar sie in der Nacht vom 13. zum...

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