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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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XIII. Balkanländer 1

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Vorbemerkung: Keine Region Europas kann sich rühmen, eine buntere und be- wegtere Geschichte aufzuweisen als die Balkanhalbinsel. Die Vielfalt an Völ- kern und Volkssplittern, die sich hier nach dem Ende der römisch- byzantinischen Herrschaft fanden, miteinander rivalisierten, sich vermischten, ineinander verzahnten oder bekämpften, das Schicksal des Balkans als Be- gegnungs- und Konfliktraum verschiedenster Religionen bzw Konfessionen, sei- ne Lage in den sich überschneidenden Einflusssphären benachbarter Mächte und ihrer jeweiligen Kulturen führten zu einem spannungsvollen, oft verwirren- den Auf und Ab der Herrschafts- und Staatsbildungen, politischer Umstürze und kriegerischer Verwicklungen. Es wäre ein Wunder, wenn in einem solchen Um- feld sich nicht auch das Phänomen der falschen Prätendenten kräftig entwickelt hätte. Eine auch nur annähernd vollständige Erfassung aller derartigen Vor- kommnisse in der langen Geschichte der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Balkanreiche und -fürstentümer ist kaum möglich. Es muss bei ausgewählten Beispielen bleiben. Sie sollen grob chronologisch und nach Ländern geordnet vorgestellt werden. Bulgarien Im siebten nachchristlichen Jahrhundert stieß aus der Ural-Wolgaregion das Steppenvolk der Bulgaren, verwandt mit der finnisch-ugrischen oder Turk- Völkerfamilie, auf den Balkan vor. In Kämpfen mit Byzanz schufen die Bulgaren ihr sogenanntes „erstes Reich“, das viel umfangreicher als das heutige Bulgarien war. Sie bildeten dar- in die dünne Oberschicht über einer Vielzahl slawischer Balkanstämme. Spätes- tens im 9. Jahrhundert. wurden die Bulgaren (von Byzanz aus, also griechisch- orthodox) christianisiert und „slawisierten“ sich. 972...

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