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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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XV. Balkanländer 3. Montenegro: der kleine Stephan oder Zar Peter III.

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Vorbemerkungen: Das kleine Ländchen der Schwarzen Berge (italienisch- venezianisch: Montenegro, serbisch: Crne Gore) versteckt sich hinter der male- rischen Felsenbucht von Kotor (Cattaro) an der dalmatinischen Küste. Es wurde im frühen Mittelalter von südslawisch-serbischen Stämmen besiedelt. Sie nah- men das orthodoxe Christentum an. In zahlreiche Clans gespalten bewahrten diese rauen Gebirgshirten und –bauern ihr Eigenleben unter den aufeinander folgenden oder gleichzeitig rivalisierenden Oberhoheitsansprüchen der Byzanti- ner, der Serben, der (serbischen) Fürsten von Zeta, der Republik Venedig und der osmanischen Türken. Die sich oft in langen Blutrache-Fehden bekämpfen- den Clanhäuptlinge oder „Knese“ anerkannten seit 1528 jedoch den orthodoxen Bischof von Četinje als Vermittler bei Friedensfühlern untereinander und als Sprecher bei Verhandlungen mit Venedig oder den Osmanen. Das Amt dieser „Fürstbischöfe“ („Vladikas“) wurde seit 1697 in der Familie der Petrović aus dem Clan der >jeguš von Onkel auf >effen vererbt, da orthodoxe Bischöfe un- verheiratet blieben. Um sich gegen römisch-katholische (Venedig1) und muslimische (Osmanen) Einflüsse zu behaupten, nahmen die Vladikas seit Beginn des 18. Jahrhunderts die Fühlung mit der orthodoxen Kirche Russlands und ihrem Oberhaupt, dem Moskauer Zaren, auf. Dieser ferne, mächtige Herrscher erschien den Monteneg- rinern bald als Protektor und Wohltäter. Tatsächlich flossen russische Gelder für fromme Stiftungen nach Montenegro. Montenegrinische Mönche reisten zur Fortbildung nach Russland. Zar Peter III. intervenierte 1762 zugunsten der Or- thodoxen in Dalmatien-Montenegro bei deren venetianischen Oberherren. Wie groß war deshalb die Freude, als...

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