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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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XVII. Russland 2 : Die Tragödien der Romanows und ihre Samosvanzen

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Vorbemerkung: 1613 wurde der siebzehnjährige Michail Fedorowitsch Roma- now nach dem Ende der Smuta-Wirren durch einen Zemski Sobor, einen allrus- sischen „Volksrat“, auf den Zarenthron erhoben. Die Romanows waren durch ihre Verschwägerung mit Iwan dem Schrecklichen bekannt geworden: den alten Bojarenfamilien galten sie als Emporkömmlinge. Die Gründe, warum die Wahl des Zemski Sobor am Ende der „Zeit der Wirren“, der „Smuta“, auf den unbe- darften Romanow-Jüngling fiel, können in ihrer Komplexität hier nicht erörtert werden.1 Die Furcht vor weiteren Wirren saß jedoch so tief in allen Schichten der russischen Gesellschaft, dass man sich mit beinah religiöser Verehrung an das neue Zarentum klammerte. Die persönliche Belanglosigkeit der ersten Ro- manows, Michail (1613-45) und Alexej (1645-76), wurde durch den Rückgriff auf ein pompöses Zeremoniell und dessen Ausbau überdeckt. Vielleicht half ge- rade die Bedeutungslosigkeit der ersten Romanows, die sich widerstandslos die- sem für sie auch beschwerlichen Zarenkult beugten, die Dynastie politisch zu si- chern. Bedroht wurde ihre Stabilität jedoch bald von familiären Schicksals- schlägen. 1669-70 verstarben kurz hintereinander die Gemahlin Alexejs, sein jünge- rer Sohn Simeon (Semjon) und der sechzehnjährige Thronfolger Alexej Alexeje- witsch. Dem Zaren verblieben als männliche Erben der stets kränkelnde Sohn Fedor (Fjodor) und dessen geistesschwacher Bruder Iwan. Es wurde von einer Bojarenintrige und Gift gemunkelt. Der unsichtbare Zarewitsch des Stenka Razin Die immer strengere Ausformung der russischen Leibeigenschaft im 17.Jahrhundert führte währenddessen zu einer Massenflucht von...

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