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Falsche Könige zwischen Thron und Galgen

Politische Hochstapelei von der Antike zur Moderne

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Gerhard Menzel

Das Phänomen politisch relevanter Hochstapelei, das heißt falscher Thronbewerber, die zeitweilig Herrschaft ausübten, Aufstände entfesselten, diplomatische Wirrungen verursachten, zumindest aber harte Sanktionen provozierten, begleitet die Geschichte der Monarchien von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Zwar sind die prominenteren Fälle vielfach untersucht worden, aber nur selten wurde das Thema in größeren Zusammenhängen fachhistorisch aufgegriffen. Eine Gesamtschau wurde vor allem populären Sammelbiographien überlassen. Ohne die darstellende Tradition dieser Sammelwerke gänzlich aufzugeben, orientiert sich diese Arbeit streng an den Quellen und der wissenschaftlichen Literatur. Sie bezieht bisher oft vernachlässigte Epochen und Räume ein, greift die Diskussion um Identitätsfragen und politische Hintergründe der Prätendenten auf, setzt die Einzelfälle in historische Zusammenhänge und öffnet den Blick auf die Rezeption des Themas in der schönen Literatur.

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XX. Peru: Die Wiederkehr der Inka

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Vorbemerkung: Der spanische Konquistador Francisco Pizarro, der 1532/33 das größte Indio-Reich im heutigen Lateinamerika, das Reich der peruanischen Inka-Herrscher, in einem kühnen Handstreich unterworfen und den letzten wirk- lich herrschenden Inka Atahualpa hinrichten lassen hatte, hielt es für nützlich, zunächst Inka-Schattenherrscher einzusetzen. Er wollte über diese Marionetten die spanische Herrschaft bei den unterworfenen Indios legitimieren. Doch schon 1537 entzog sich einer dieser Scheinfürsten, Manco Capac II., den Spaniern. In der Gegend von Vilcabamba (130 km westlich von Cuzco,- nicht zu verwechseln mit Vilcabamba in Ekuador, der Stadt der Langlebigen) gründete er einen un- abhängigen Staat. Dieses kleine >eu-Inka-Reich wurde erst 1572 durch Verrat unterworfen, sein letzter Herrscher, Tupac Amaru, hingerichtet. Im Übrigen hofierten die Spanier zeitweise andere Abkömmlinge der Inka- Dynastie. Sie wurden in spanische Adelsregister aufgenommen, erhielten ent- sprechende Privilegien und heirateten in prominente spanische Familien wie die Loyolas und Borgias ein. Für die >achkommen des Inka-Adels wurden besonde- re Schulen eingerichtet. Aus ihren Reihen wurden bevorzugt die Kaziken (Cura- kas), d.h. die Häuptlinge der Indio-Gemeinden genommen. Unter der Kontrolle spanischer „Corregidores“ („Landrichter“, d. h. Gebietsstatthalter in den Landgebieten) walteten sie als Richter, Steuereintreiber und Rekrutierer für die von den Indios zu leistende Zwangsarbeit (der „Mita“) über die Dörfer der In- dios. An Festtagen zeigten sie sich gerne in den alten Inka-Trachten. Auf diese Weise blieb das Andenken an die frühere Inka-Herrlichkeit erhal- ten. Im jesuitischen Collegio Francisco Borja (Borgia) zu Cuzco, einer Schule,...

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