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Unbegrenzt

Literatur und interkulturelle Erfahrung

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Edited By Michael Hofmann

Interkulturalität ist ein Paradigma, das in den letzten Jahren immer mehr an Aktualität gewonnen hat. Rüdiger Sareika hat während seiner Arbeit an der Evangelischen Akademie Schwerte-Villigst dieses Thema in innovativer und engagierter Weise in die Diskussion gebracht und unzählige Anregungen vermittelt – und dies vor vielen anderen. Dieser Band verdeutlicht mit vielen Beiträgen namhafter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Partnerinnen und Partner der Arbeit Rüdiger Sareikas waren, den Stellenwert interkultureller Erfahrung für die deutsche Literatur und für die aktuelle literatur- und kulturwissenschaftliche und auch kulturpolitische Diskussion.

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Aus meiner türkischen und deutschen Kindheit: Zehra İpşiroğlu

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38 Susanne Catrein [BILD „CATREIN_MIGRATION (4)“ EINFÜGEN] Abb. 1.5. Susanne Catrein: Ohne Titel, 2006. Acryl auf Leinwand 38 Susanne Catrein [BILD „CATREIN_MIGRATION (4)“ EINFÜGEN] Abb. 1.5. Susanne Catrein: Ohne Titel, 2006. Acryl auf Leinwand Aus meiner türkischen und deutschen Kindheit Zehra İpşiroğlu Wie ich Deutsch lernte Die deutsche Sprache lernte ich mit neun Jahren in meiner Heimatstadt Istanbul von Brigitte, einem Au-pair Mädchen aus bürgerlichem Hause. Brigitte war schön wie eine Märchenprinzessin, aber sie hatte weder eine Ahnung von Kin- dern noch von Sprachunterricht. Am wenigsten davon, was man mit einem auf- sässigen, rebellischen Mädchen macht, das zwar neugierig, aber keineswegs lerngierig war. Da half kein Zureden, kein Geschimpfe, keine Handgreiflichkei- ten, das Kind weigerte sich mit aller Kraft, die langen Grammatik-Tabellen auswendig zu lernen. Dafür mochte es umso mehr die gemeinsamen Spazier- gänge durch Istanbul, immer mit einer Horde von Männern hinter ihnen. Nun war Brigitte nicht nur schön wie eine Prinzessin, sondern auch stark wie eine Amazone. Wehe, wenn ein Mann sich ihr zu sehr näherte, schon konnte er ihren spitzen Stöckelschuh zu spüren bekommen. So dramatisch und aufregend diese Spaziergänge, so unerträglich war der Deutschunterricht. Das Kind blieb auf Kriegsfuß mit allem, was in dem Grammatikbuch stand, von den bescheuerten Artikeln bis zu den komplizierten Konjugationen. „Mag nicht, lass mich in Ruh“, waren die Worte, die es sich am besten merken konnte. Das zahlte die...

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