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Literatur und interkulturelle Erfahrung

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Edited By Michael Hofmann

Interkulturalität ist ein Paradigma, das in den letzten Jahren immer mehr an Aktualität gewonnen hat. Rüdiger Sareika hat während seiner Arbeit an der Evangelischen Akademie Schwerte-Villigst dieses Thema in innovativer und engagierter Weise in die Diskussion gebracht und unzählige Anregungen vermittelt – und dies vor vielen anderen. Dieser Band verdeutlicht mit vielen Beiträgen namhafter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Partnerinnen und Partner der Arbeit Rüdiger Sareikas waren, den Stellenwert interkultureller Erfahrung für die deutsche Literatur und für die aktuelle literatur- und kulturwissenschaftliche und auch kulturpolitische Diskussion.

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Kritische Fragen zu Goethes interkulturellen Projekten: Norbert Mecklenburg

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Kritische Fragen zu Goethes interkulturellen Projekten Norbert Mecklenburg Karl Richter hat hier soeben an einer gut gezielten Auswahl von Gedichten noch einmal überzeugend gezeigt, wie kreativ Goethe in seinem „West-östlichen Di- van“ Offenheit gegenüber einer anderen Kultur und interkulturellen Dialog poe- tisch darzustellen gewusst hat. Vorher hatte Jörn Rüsen ebenso überzeugend das interkulturelle Denken von Goethes wichtigstem geistigen Anreger Herder als einen ausgesprochen modernen Humanismus vorgestellt, der Anerkennung von kultureller Vielfalt unauflöslich mit Anerkennung gemeinsamen Menschseins verbindet. Dieser Herderschen Denklinie einer ‚anderen‘, nicht auf Herrschaft gerichteten, nicht kolonialisierenden Moderne ist auch Goethe zeitlebens ge- folgt. So lässt sich seine vielfache Orient-Zuwendung gegenüber dem von Ed- ward Said kritisierten hegemonialen westlichen Orientalismus als ein ‚anderer Orientalismus‘ positiv herausstellen.1 Dieser ist, obwohl oder gerade weil präko- lonial, postkolonial anschließbar. Dies sind, wie ich meine, im Ganzen richtige und aufschließende Impulse für ein angemessenes Verstehen der interkulturellen Aspekte von Goethes Den- ken und Werk. Haltbar überzeugen können sie jedoch nur, wenn dabei kritische Fragen nicht unterdrückt werden, die sich in mehreren Hinsichten aufdrängen. Ich selber, seit Jahren in Vorbereitung eines Buches über Goethes interkulturelle poetische Projekte begriffen, habe mich immer wieder bemüht, solchen Fragen nicht auszuweichen. So bin ich z.B., beim Erschließen von leitenden Konzepten im Prosateil des „Divans“2, die ich als ‚differenzierenden Universalismus‘ zu- sammenfasse3, auch ins Nachdenken über problematische Passagen zu Religion und Politik geraten: Mit Goethes nur wenig gebrochenem Lob für den...

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