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Unbegrenzt

Literatur und interkulturelle Erfahrung

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Edited By Michael Hofmann

Interkulturalität ist ein Paradigma, das in den letzten Jahren immer mehr an Aktualität gewonnen hat. Rüdiger Sareika hat während seiner Arbeit an der Evangelischen Akademie Schwerte-Villigst dieses Thema in innovativer und engagierter Weise in die Diskussion gebracht und unzählige Anregungen vermittelt – und dies vor vielen anderen. Dieser Band verdeutlicht mit vielen Beiträgen namhafter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die Partnerinnen und Partner der Arbeit Rüdiger Sareikas waren, den Stellenwert interkultureller Erfahrung für die deutsche Literatur und für die aktuelle literatur- und kulturwissenschaftliche und auch kulturpolitische Diskussion.

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‚Afrika im Herzen‘ oder: Der Kolonialrevisionismus des Romans „Volk ohne Raum“ und das Fortleben eines ‚Kolonialismus ohne Kolonien‘: Leo Kreutzer

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‚Afrika im Herzen‘ oder: Der Kolonialrevisionismus des Romans „Volk ohne Raum“ und das Fortleben eines ‚Ko- lonialismus ohne Kolonien‘ Leo Kreutzer Nachdem der Kolonialismus für Deutschland ungleichzeitig begonnen hatte, fand er für das Land auch ein ungleichzeitiges Ende. Ein Prozess der Dekoloni- sierung hatte damit ebenfalls ungleichzeitig einzusetzen. Das hat den Verlauf dieses Prozesses sehr stark geprägt und wirkt sich im Verhältnis zu Afrika bis in die Gegenwart hinein aus.1 Auf der Berliner Afrika-Konferenz 1884/85 ‚verspätet‘ in den Club der eu- ropäischen Kolonialmächte aufgenommen, wurde Deutschland aus ihm ‚vor- zeitig‘ wieder ausgeschlossen. Seine nachkoloniale Ära wurde nicht durch im Kontext des Zweiten Weltkriegs entstandene Unabhängigkeitsbewegungen her- beigeführt, sondern durch die Siegermächte des Ersten Weltkriegs. Dass man Deutschland seine Kolonien wegnahm, wurde als besonders ungerechtes ‚Dik- tat‘ empfunden, weil es auf Betreiben an ihm beteiligter Kolonialmächte zustan- de kam und damit begründet wurde, das Land habe das Recht auf Kolonialbesitz verwirkt. Einer der publizistischen Wortführer der Forderung nach einer Zurücknah- me des durch den Versailler Vertrag besiegelten ‚Raubs‘ der deutschen Kolo- nien war Hans Grimm.2 Bei dessen 1926 in zwei Bänden erschienenem Roman „Volk ohne Raum“ handelt es sich um das ehrgeizigste literarische Dokument eines kolonialen Revisionismus.3 1 „Wie die Kolonisierung selbst“ prägt, dem englischen Kulturwissenschaftler Stuart Hall zufolge, der Prozess der Dekolonisierung „die kolonisierenden Gesellschaften so ein- schneidend [...] wie die Kolonisierten (wenn auch natürlich auf andere Weise)“ (Stuart Hall: Wann gab es ‚das...

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