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Der Weg von syntaktischer Fügung zum Wort

Eine Analyse deutscher substantivischer Univerbierungen unter synchroner, diachroner und sprachvergleichender Perspektive

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Nathanael Baché

Diese Arbeit geht der Frage nach, wie durch unterschiedliche Muster der Univerbierung, Inhalte von Sätzen oder syntaktischen Fügungen im Deutschen zu Wortinhalten komprimiert werden. Die unterschiedlichen morphosyntaktischen Prozesse der Univerbierung werden unter synchroner, diachroner und sprachvergleichender Perspektive beleuchtet. Anschließend wird die Hypothese der Begriffskonsolidierung bei Univerbierung an einzelnen ausgewählten Beispielen der Typen Rektions-, Phrasenkompositum, Phrasenderivat und -konversion sowie Zusammenbildung auf der Grundlage einer Korpusstudie überprüft. Die Untersuchung stützt sich auf das Deutsche Referenzkorpus (DeReKo) sowie das Recherche- und Analyseprogramm Cosmas II. Das Ergebnis der Korpusrecherche bestätigt die Hypothese der Begriffskonsolidierung in den meisten untersuchten Fällen. In einigen Fällen lässt sich auch eine gegenläufige Entwicklung, die Begriffsdekonsolidierung, feststellen. Vor diesem Hintergrund werden dann die syntaktischen Möglichkeiten der inhaltlichen Komprimierung im Französischen betrachtet. Es zeigen sich wesentliche Unterschiede in dem Bereich der Wortbildung zwischen den beiden Sprachen.

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3 Begriffsklärung, theoretische Grundlage

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3.1 Univerbierung Der Begriff `Univerbierung´ beschreibt im Allgemeinen eine morphosyntakti- sche Transformation, bei der unterschiedliche Phrasen mit oder ohne Bindemit- tel aus verschiedenen Gründen näher aneinander treten und somit zu einem Wort zusammenwachsen. Bei dieser Transformation ist das Bindemittel von verschie- denen Phänomenen, die als Folgen des Zusammenwachsens erscheinen, zu tren- nen. Das Bindemittel kann orthographischer Natur sein, beispielsweise der Bin- destrich in fast allen Phrasenkomposita (die Zurück-zur-Natur-Bewegung), oder aber morphosyntaktischer Art wie Affixe bzw. Affixoide bei Rektionskomposi- ta, Zusammenbildungen oder Phrasenderivaten. Als Folgen des Zusammen- wachsens verschiedener Syntagmen sind Tilgungen einiger sprachlichen Einhei- ten zu nennen. Bußmanns (2008) Definition des Begriffs `Univerbierung´ ist in diesem Zusammenhang grundlegend. Sie beschreibt die `Univerbierung´ folgen- dermaßen: [Lat. ūnus `eins´ und verbum `Wort´]. In der  Wortbildung „Vorgang und Ergeb- nis des Zusammenwachsens mehrgliedriger syntaktischer Konstruktionen zu einem Wort, z.B. Sozialleistung (aus soziale Leistung), Achtstundentag (aus Arbeitstag von acht Stunden), das Zu-sich-selbst-Finden. Und entspricht einer allgemeinen struktu- rellen Tendenz der (syntaktischen) Vereinfachung zum Zwecke der Informations- verdichtung sowie zur Vermeidung unhandlicher Konstruktionen wie bspw. die fol- genden Spätwirkungen vs. die folgenden späten Wirkungen (S. 763). Aus der obigen Definition können drei wichtige Aspekte herausgenommen wer- den. Zum einen die sprachliche Ökonomie, die sich dadurch manifestiert, dass syntaktische Konstruktionen im Satz nicht in ihrer Ganzheit vorkommen, denn einige Elemente werden getilgt. Zum zweiten findet ein Zusammenwachsen mehrgliedriger syntaktischer Elemente zu einem Wort statt. Zum dritten werden aus ästhetischen Gründen schwer handhabbare Konstruktionen vermieden. Bußmanns...

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