Show Less

Die Stellung des Kindes in auf Einvernehmen zielenden gerichtlichen und außergerichtlichen Verfahren in Kindschaftssachen

Series:

Natalie Ivanits

Kindschaftsverfahren, Einvernehmen, Mediation. Aber wo bleibt das Kind? Rechtfertigt eine Einigung der Eltern das Absehen von der Kindesanhörung? Kann ohne die persönliche Beteiligung des Kindes die Wahrung seiner Interessen sichergestellt werden? In dieser Arbeit werden zum einen die rechtlichen Anforderungen an die Kindesanhörung untersucht, zum anderen humanwissenschaftliche Erkenntnisse aus der Scheidungsforschung und der Entwicklungspsychologie ausgewertet. Sinn und Zweck der Kindesbeteiligung sowie die Möglichkeiten und Grenzen von Einvernehmen werden herausgearbeitet und schließlich Anforderungen an das Verfahren aufgestellt.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Teil 1: Begriffsbestimmungen

Extract

Einige zentrale Begriffe dieser Untersuchung werden im Folgenden kurz vorab erläutert, also Kindschaftssachen, Einvernehmen, Kindeswille und Kindeswohl sowie indirekte und direkte Einbeziehung. A. Der Begriff Kindschaftssachen Das materielle Kindschaftsrecht findet sich in den familienrechtlichen Vor- schriften im Vierten Buch des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Die verfah- rensrechtlichen Regelungen waren zunächst im Gesetz über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FGG) vom 17. Mai 1898 geregelt, das durch eine Vielzahl von Verweisen in die Zivilprozessordnung (ZPO) ergänzt wurde. Das FGG bildete ein eher lückenhaftes Rahmengesetz unsystematischer Sonder- regelungen mit einer unübersichtlichen Regelungstechnik.1 Es wurde schließlich durch das am 01. September 2009 in Kraft getretene Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) ersetzt, das sämtliche Verfahren der freiwilligen Gerichtsbarkeit sys- tematisch und einheitlich regelt. Im Zuge der FGG-Reform wurden die Begriffe Kindschaftssachen und Fa- miliensachen neu definiert: Bis zur Reform fielen unter den Begriff Familiensachen die Verfahren über die elterliche Sorge, die Regelung des Umgangs mit einem Kind, sowie die Her- ausgabe eines Kindes (§ 621 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 ZPO a.F.). Als Kindschaftssa- chen wurden überwiegend die Abstammungssachen bezeichnet (§ 640 Abs. 2 ZPO a.F.). In § 111 FamFG wird der Begriff Familiensachen neu definiert. Er bildet den allgemeinen Oberbegriff, unter welchen die Ehesachen, die Kindschaftssa- chen (§ 151 FamFG) und die Abstammungssachen (§§ 169-185 FamFG), aber auch die bislang den Zivilgerichten zugewiesenen Gewaltschutzsachen fallen. Auch der Begriff Kindschaftssachen hat eine gänzlich neue Bedeutung er- langt: Nach § 151 FamFG fallen...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.