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Die Stellung des Kindes in auf Einvernehmen zielenden gerichtlichen und außergerichtlichen Verfahren in Kindschaftssachen

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Natalie Ivanits

Kindschaftsverfahren, Einvernehmen, Mediation. Aber wo bleibt das Kind? Rechtfertigt eine Einigung der Eltern das Absehen von der Kindesanhörung? Kann ohne die persönliche Beteiligung des Kindes die Wahrung seiner Interessen sichergestellt werden? In dieser Arbeit werden zum einen die rechtlichen Anforderungen an die Kindesanhörung untersucht, zum anderen humanwissenschaftliche Erkenntnisse aus der Scheidungsforschung und der Entwicklungspsychologie ausgewertet. Sinn und Zweck der Kindesbeteiligung sowie die Möglichkeiten und Grenzen von Einvernehmen werden herausgearbeitet und schließlich Anforderungen an das Verfahren aufgestellt.

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Teil 2: Rechtsgrundlagen für die Beteiligung des Kindes

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A. Entwicklung von Kinderrechten Über Jahrtausende hinweg galten Kinder als noch nicht vollwertige Menschen.1 Sie wurden als den Erwachsenen in jeder Hinsicht unterlegen angesehen und waren vielmehr Eigentum der Erwachsenen – in der Regel der Eltern –, und nicht Lebewesen mit selbständigen Rechten.2 Seit den Revolutionen in Amerika im Jahr 1776 und in Frankreich im Jahr 1789 wurde den Menschenrechten immer mehr Aufmerksamkeit zuteil und im Zuge dessen auch der spezifischen Situation der Kinder.3 Im 19. Jahrhundert wurden die ersten Arbeitsschutz- und Misshandlungsverbotsgesetze zum Schutz von Kindern erlassen.4 Ab dem Jahr 1899 wurden zunächst in den USA, dann auch in Deutschland die ersten Jugendstrafgerichte etabliert.5 Das erste deutsche Jugendgerichtsgesetz (JGG) wurde am 16. Februar 1923 erlassen, die heute gül- tige Fassung ist vom 04. August 1953.6 Das JGG enthält diejenigen formell- und materiellrechtlichen Vorschriften, die eine unterschiedliche strafrechtliche Er- fassung von Verhalten von Jugendlichen im Gegensatz zu dem von Erwachse- nen festlegen.7 Im Jahr 1902 erklärte die schwedische Pädagogin und Frauenrechtlerin El- len Key das 20. Jahrhundert zum Jahrhundert des Kindes. Sie trat für eine „Pä- dagogik vom Kinde her“ ein, also eine Erziehung unter Achtung der Würde und Individualität des Kindes.8 1 Maywald, in: Sozialpädagogisches Institut im SOS-Kinderdorf, S. 48. 2 Goldstein/Freud/Solnit, S. 14; Unicef, Geschichte der Kinderrechte, S. 1. 3 So wurden z.B. in Grossbritannien der Factories Act 1802 für die Baumwoll- und Wollindustrie, sowie der Factories Act 1833 für die Textilindustrie erlassen. Der Factories Act 1802...

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