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Studienstiftungen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (1665-1923)

Private Bildungsförderung zwischen Stiftungsnorm und Stiftungswirklichkeit

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Simon Huemer

Private Studienstiftungen waren bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ein integraler Bestandteil des Studienalltags und des Universitätssystems in Deutschland. Diese Arbeit bietet einen Überblick über das Stipendienwesen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, wie es sich zwischen 1665 und 1923 entwickelte. Im Fokus dieser Studie stehen die gesellschaftsgestaltende Wirkung der Stipendien und der Umgang der Universität mit den ihr anvertrauten Stiftungen. Damit untersucht sie nicht nur die Stiftungskonzeptionen der einzelnen Stifter auf deren Motive und Funktionen, sondern widmet sich zugleich der Frage, wie die Universität diese Ressource möglichst effektiv für sich zu nutzen suchte. Mit diesem bislang nur wenig beachteten Forschungsgegenstand fügt sich ein weiterer Stein in das Mosaik der Kieler Universitätsgeschichte ein.

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3. Die Thaulow-Initiative: Stiften als Bekenntnis zur Landesuniversität

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In der bisherigen Analyse wurde die Stiftung vom Stifter aus betrachtet. Im folgen- den Kapitel soll ein Perspektivwechsel vorgenommen werden. Da der Akt der Stif- tung immer im System des Gabentausches zu begreifen ist, stellt sich die Frage, welche Konzeption die Universität von sich selbst entwarf, um potenzielle Stifter für sich zu gewinnen. Eine erfolgreiche Konzeption musste das Stiftungsobjekt, also die Universität, in der Wechselwirkung der Bedürfnisstrukturen zwischen Stifter und Bestiftetem so präsentieren,285 dass potenzielle Stifter durch eine Stiftung für die Kieler Universi- tät ein persönliches Anliegen befriedigen konnten. In der Regel bedeutete dies die Umwandlung von finanziellen Mitteln in soziales Prestige und öffentliches Anse- hen.286 Die Bemühungen des Philosophieprofessors Thaulow zu der Errichtung ei- nes neuen Universitätsgebäudes,287 der Einrichtung von Studienstiftungen und dem Bau eines Wohnstifts288 für die Christiana Albertina stellten ein solches Stiftungs- konzept dar. Thaulow selbst sah das Ziel seiner Initiative darin, das Interesse der Bewohner unserer Provinz an ihrer Landesuniversität zu beleben.289 Das Konzept, das den einzelnen Projekten zu Grunde lag, basierte auf der Vorstellung, dass die Christiana Albertina als ‚Landesuniversität‘ ein identitätsstiftendes Medium für die Bevölkerung der Herzogtümer sein sollte. Das Angebot des Stiftungskonzeptes ‚Landesuniversität‘ an die stiftende Bevölkerung war somit die Möglichkeit, einem Bekenntnis zur schleswig-holsteinischen Identität und zur gemeinsamen schleswig- holsteinischen Geschichte durch ihr Engagement Ausdruck zu verleihen.290 285 KRAUS, Aus Tradition modern, S. 402f.; FREY, Macht und Moral...

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