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Die Universität Kiel in den 1960er Jahren

Ordnungen einer akademischen Institution in der Krise

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Stefan Bichow

Bildungsexpansion, Rationalisierung, Demokratisierung – die Universität Kiel sah sich wie andere westdeutsche Hochschulen in den 1960er Jahren mit Anforderungen konfrontiert, die ihr bisheriges Selbstverständnis in Frage stellten. Welche Maßnahmen ergriffen die Verantwortlichen in Universität und Politik? Wer reformierte, wer blockierte? Wie verhielten sich institutionelle Reform und studentische Revolte zueinander? Auf Basis eines eigenen Institutionskonzepts nimmt die Arbeit die drei Dimensionen geplanter, gesatzter und dargestellter Ordnung in den Blick. So erhält der Leser am Beispiel der Christian-Albrechts-Universität differenzierte Einsichten in eine dynamische Dekade deutscher Universitätsgeschichte, deren Weichenstellungen bis heute richtungsweisend sind.

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4 Dargestellte Ordnung: Die Transformation akademischer Rituale

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Die zuvor betrachteten Ordnungsdimensionen gaben wesentliche Auskünfte über die organisatorische Entwicklung der Universität. Es gibt aber eine weitere Dimension, die nicht vernachlässigt werden darf. Im Grunde ist keine Organisa- tion denkbar, die ohne eine symbolische Repräsentanz ihrer Zielsetzung und Verfassung funktioniert. Das, was alltagssprachlich als Institutionen gefasst wird, „sind bei näherem Hinsehen Organisationen oder weniger formal regulier- te Interaktionsformen, in denen die Sichtbarkeit der Ordnung in den Mittelpunkt gerückt ist.“466 Die (Selbst-)Darstellung wird damit auch für Organisationen zu einer entscheidenden Kategorie, um deren Dauerhaftigkeit und Eigenrichtigkeit zu behaupten. Die Integration der Angehörigen einer Institution wie auch deren Stellung zur Umwelt bedarf stets einer symbolischen Vermittlung. Ernst Cassi- rer kommt dabei das Verdienst zu, als erster darauf hingewiesen zu haben, dass Symbole467 die Welt nicht nur repräsentieren, sondern sie gleichsam auch schaf- fen.468 Was die im Folgenden zu untersuchende Darstellung der akademischen Ordnung betrifft, so geht es vorrangig um Rituale469 und solche Diskurse, die in einen rituellen Rahmen eingebunden sind. Denn Rituale, die stets auch eine af- fektive Komponente enthalten, sind die entscheidende Form eingespielter insti- tutioneller Handlungswiederholungen.470 466 Vgl. Rehberg, Fiktionalität, S. 390-391. 467 Mit Symbolen sind bei Cassirer „symbolische Formen“ gemeint, die Kategorien wie Ritual, Symbol und Mythos umfassen. 468 Vgl. Ders.: Institutionen als symbolische Ordnungen. Leitfragen und Grundkategorien zur Theorie der Analyse institutioneller Mechanismen, in: Göhler, Gerhard (Hg.): Die Eigenart der Institutionen: zum Profil politischer Institutionentheorie, Baden-Baden 1994, S. 47-84, S. 469 „Rituale sind kulturelle,...

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