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Die ontologische Wende der Hermeneutik

Heidegger und Gadamer

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Wei-Ding Tsai

Kernpunkt dieser Arbeit ist die ontologische Wende der Hermeneutik und ihre Bedingungen der Möglichkeit. Die Hauptthese ist: Die ontologische Wende beginnt zwar mit Heidegger, wird aber von Gadamer vollbracht. Sie vollendet sich nicht beim frühen Heidegger, weil er nur die Einheit von Sein und Verstehen klar erschließt, aber das Wesen der Sprache nicht ausreichend erklärt. Sie vollendet sich auch nicht beim späten Heidegger, weil er zwar die Einheit von Sein und Sprache bestätigt, aber das individuelle Verstehen ausschließt. Durch Gadamers Interpretation der Phronesis gilt seine philosophische Hermeneutik als das faktische Ergebnis der ontologischen Wende der Hermeneutik, und auch als eine verbesserte Theorienversion der Heideggerschen Hermeneutik(en) in der Geschichte der Hermeneutik.

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Abschnitt II. Heidegger und das Problem der Vollendung derontologischen Wende der Hermeneutik

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65 Abschnitt II. Heidegger und das Problem der Vollendung der ontologischen Wende der Hermeneutik Vorrede: Eine methodische Frage zur Klärung der ontologischen Grundlage der philosophischen Hermeneutik Mit der Formel „Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache“ (GW1: 478) fasst Gadamer sozusagen die ontologische Wende der Hermeneutik zusammen. Diese Formel beschreibt kurz die folgende selten unzutreffende Spracheinstellung: Die Sprache verknüpft als univer- sales Medium in sich gleichzeitig Sein und Verstehen, so dass die drei einander unterschied- lichen Komponenten in gewissem Sinne zu einer ontologisch einheitlichen Trinität werden können. Gadamers Einführung dieser Sprachauffassung hat bewirkt, dass sich die Hermeneu- tik in eine ganz und gar neue Gestalt verwandelt hat. Dabei ist seine hermeneutische Theorie an die Stelle der traditionellen Hermeneutiken gerückt. Die Hermeneutik wendet sich nun von einer Methodologie bzw. Kunstlehre von Auslegung und Verständnis zur phänomenolo- gischen Deskription der Seinsmodi des sprachlichen Verstehens. Dies lässt sich als ontologi- sche Wende der Hermeneutik bezeichnen, weil die Hermeneutik nicht mehr eine theoreti- sche Anleitung zum Verständnis darstellt, sondern statt dessen ein philosophisches System sucht, um einen wesentlichen Seinsmodus des Menschen – das Verstehen – zu erklären. Da Gadamers Hermeneutik eine solche Spracheinstellung als ihre theoretische Voraussetzung braucht, wird das Verstehen nicht mehr, wie beim alten Paradigma der Hermeneutik (die romantische Hermeneutik Schleiermachers), nur als intellektuelle Tätigkeit angesehen, die sich schlechthin ohne Hilfe der Sprache ausüben lässt. Denn laut Gadamer ist der Prozess des eigentlichen Verstehens gar nicht so, wie die romantische...

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