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Archetypen, Artefakte

Komparatistische Beiträge zur kulturellen und literarischen Repräsentation von Tieren

Edited By Alena Diedrich, Julia Hoffmann and Niels Penke

Wie werden Tiere in der Literatur dargestellt? Welche spezifischen Funktionen übernehmen sie in verschiedenen kulturellen Traditionen? Wie differieren ihre Darstellungen in unterschiedlichen Medien? Am Beispiel prominenter Tierfiguren sowie an bis dato eher unberücksichtigten Tiergattungen werden kultur- und literaturhistorische Prozesse untersucht und auf ihre Mechanismen befragt. Dabei wird besonders auch ein Blick auf die historische Entwicklung bestimmter Tiere und ihre spezifischen literarischen Repräsentationen geworfen. Der komparatistische Band sondiert zum einen Fragestellungen aus dem Bereich der Cultural and Literary Animal Studies und beleuchtet darüber hinaus einzelne Stationen der Forschung am Beispiel unterschiedlicher Textgattungen – von der Naturkunde bis zum Manga, von der populären Kinder- und Jugendliteratur bis hin zu kanonischen Texten der Weltliteratur.

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Immer mehr nimmermehr. Repräsentationen und Funktionen des Raben in Kinder- und Jugendmedien: Julia Hoffmann

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152 Nina Kullrich reincarnation of Choki“ (86) sei – dieser Interpretation liegt wieder das zykli- sche hinduistische Weltbild zugrunde. Zudem scheitert die Rache des Stierbul- len demnach nur in seinem irdischen Dasein – irgendein ‚Schicksal‘ („perhaps, in this playground of Krishna’s, this was another play, a leela“, 56) sorgt dafür, dass sein Leiden 52 Jahre nach seinem Tod gerächt wird: Seine Ermordung markiert den Beginn des indischen Unabhängigkeitskampfes. Die Aussage des Lamas, der Stier sei auch heute noch am Leben, macht nur deutlich, dass hier eine abstrakte Idee, nicht die Figur selbst gemeint ist – genauer, der Geist der indischen Widerstandsbewegung. Die Kühe dienen hier vornehmlich als nationalistisches, antikolonialisti- sches, aber auch antikapitalistisches Symbol; sie vereinen gewaltlosen Wider- stand mit auf Verletzung und Vernichtung ausgerichteten Aktionsformen – die sie jeweils mit dem Leben bezahlen. Eindeutig zu bestimmen ist jedoch nur die Rolle der Kuh als Verkörperung gandhiistischer Kampfformen (Satyagraha und Santhara), die Motive des Stiers bleiben offen – indem alle möglichen Interpre- tationen seiner Handlungen („fanatic communalist“, „nationalist Indian“, „ordinary bull“, „martyr“, „reincarnation of choki“) in Fragen unbeantwortet aufgezählt werden, zeigt sich zum einen die (tatsächliche) Vielfalt des indischen Widerstandes; zugleich aber auch die Gefahr der Vereinnahmung und Manipula- tion durch nationalistische und rassistische Ideologien, welche wiederum auch willkürliche Zuschreibung von Bedeutungen und missbräuchlichen Verwendun- gen der Kuh als politisches Symbol einschließt. Die Kühe fordern das Weltbild des Kolonialherrschers in Indien heraus, hinterfragen sein Wertesystem, lehren ihn Moral; sie kehren eurozentristische, orientalistische Konstruktionen...

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