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Roman und Persönlichkeitsrecht

Ein partikulardogmatischer Entwurf

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Christoph Wege

Wer sich in einer Romanerzählung als Person wiedererkannt fühlt, muss das grundsätzlich hinnehmen, weil Kunstkommunikation nach außen wie ein Filter wirkt, der Verletzungen des Persönlichkeitsrechts abmildert. Die Arbeit konstruiert Kunstfreiheit und Persönlichkeitsrecht – aufeinander zugerichtet – neu. Dass Rechtsnormen nicht mit dem Buchstaben des Gesetzes identisch sind, sondern erst im Prozess ihrer eigenen Anwendung entstehen, bildet das nachpositivistisch-konstruktivistische Fundament hierfür. Dabei entsteht eine Landschaft partikulardogmatischer Innovationen, auf der sich die Lösung des juristischen Problems darbietet.

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Kapitel 2: Fiktionstheoretische Rekonstruktionder Entscheidungsbegründung

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17 Kapitel 2: Fiktionstheoretische Rekonstruktion der Entscheidungsbegründung Der „Esra“-Beschluss entwirft – wie schon „Mephisto“ – keine überzeugende Lösung des ihm aufgegebenen Rechtsproblems, und schon gar keine abschließende Dogmatik der durch ihn konstituierten Fallgruppe des Allgemeinen Persönlich- keitsrechts. Die kritische Besprechung des Urteils in der rechtswissenschaftlichen Diskussion hat Schwächen in zwei Richtungen nahegelegt: Schon bei der Erfas- sung des Entscheidungsgegenstands treten erhebliche Unschärfen zutage. Es ist nicht expliziert, wie fiktionale Texte welche konkreten Persönlichkeitsverletzun- gen verursachen. Neben diesem fiktionstheoretischen Erklärungsdefizit mangelt es dem Beschluss an der Rückbindung seiner Entscheidungsformel an die beteiligten Grundrechte. Hier ist es in der Tat so, dass schon die übergeordneten Partikular- dogmatiken des Allgemeinen Persönlichkeitsrechts und der Kunstfreiheit dem Sachverhalt nicht gewachsen sind. Das Programm der hier vorliegenden Arbeit begnügt sich aber nicht mit Kritik. Der Entwurf einer Partikulardogmatik unter dem Titel „Roman und Persönlich- keitsrecht“ muss sich konstruktiv mit der Entscheidung auseinandersetzen. Er muss danach fragen, inwiefern sich die in ihr enthaltenen Elemente als dogmati- sches Fundament eignen. Das gilt insbesondere für die als Abwägungszone ein- gerichtete Konstruktion mit ihren Begriffen Erkennbarkeit, kunstspezifische Betrachtung, Fiktionalitätsvermutung und ihrer abschließenden „Je-desto“-For- mel. Die einzelnen Schritte der gerichtlichen Abwägungsregelkonstruktion wer- den daher in diesem Kapitel nochmals fiktionstheoretisch rekonstruiert. Nicht, um mit einem vorgefertigten literaturtheoretischen Konzept an die Verfassungs- rechtsprechung heranzutreten. Sondern mit der Hoffnung, in der „Esra“-Ent- scheidung selbst könnte, aller berechtigten Kritik zum Trotz, eine fiktionstheore- tisch tragfähige...

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