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Selektive Modernisierung und Strukturstabilität

Anpassungsmuster der Old Order Amischgemeinschaft

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Axel Schmidt

Amischgemeinschaften in Nordamerika bestehen seit 300 Jahren in einer sie umschließenden Moderne. Es gelingt ihnen, ihre typischen Traditionsformen und Lebensweisen beharrlich und erfolgreich über lange Zeiträume aufrechtzuerhalten und sich als religiöse Minderheit zu behaupten. Um zu erklären, wie dies möglich ist, untersucht der Autor verschiedene Aspekte von Beständigkeit und Wandel in der Amischgemeinschaft. Es stellt sich heraus, dass Entscheidungsfindungen im religiösen und im weltlichen Bereich sich an bestimmten Kriterien orientieren. Diese werden in verschiedenen Modellen dargestellt, die über die bislang vorliegenden Erklärungsversuche von Einzelfallexplikation hinausgehen. Konkrete Zielsetzung der Arbeit ist es, die außergewöhnliche Stabilität dieser in sich abgeschlossenen Gemeinschaft durch die Selektive Modernisierung zu erklären.

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1 Einleitung

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1.0 Vorbemerkung Die vorgelegte Arbeit baut systematisch auf der 2008 an der Erfurter Universität verfassten unveröffentlichten Magisterarbeit „Amish People: Strategien in der Moderne“ auf.1 Wurden die Schwerpunkte damals noch auf phänomenologische Überlegungen und feststellbare Inklusions- und Exklusionsmechanismen ge- setzt, ist die jetzt vorgelegte Arbeit grundlegend anders strukturiert, hat eine an- dere Zielsetzung und streift die genannten Problemkreise nunmehr eher am Rande. Gleichwohl stellen diese Erkenntnisse aus der Magisterarbeit wichtige Bausteine dar. Demzufolge wurden Formulierungen aus der Magisterarbeit in diese Arbeit übernommen. Grund hierfür ist, dass die dort gewonnenen Erkennt- nisse, wie zum Beispiel das Kapitel über die Verbots- und Gebotssysteme, die Kern- und Leitideen der Amischgemeinschaften (Kapitel 3.4) oder die phäno- menologischen Überlegungen zu den wichtigsten symbolgestützten Diskrimi- nanten (Kapitel 3.3.2) weiterhin Gültigkeit besitzen. Gleiches gilt z.B. für die Ausführungen zu den Inklusionsmechanismen (Kapitel 4.1) und den Exklusi- onsmechanismen (Kapitel 4.2.).2 1.1 Einführung ins Thema Die Amischgemeinschaften reichen zurück bis in die Zeit der Reformation. Im sechzehnten Jahrhundert waren sie Verfolgungen durch die Obrigkeit ausge- setzt. Um ihren Glauben und insbesondere die Erwachsenentaufe ungestört aus- üben zu können, wanderten sie im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert nach Nordamerika aus. In Europa gibt es keine Gemeinschaften mehr. Ihre be- sondere Kleidung, ihr Auftreten und ihre Glaubenspraktiken, sowie die Verwen- dung von „Pferd und Wagen“ machen sie zu den soziologisch interessantesten Religionsgemeinschaften Nordamerikas. Mit der Arbeit sollen die Ursachen von Beständigkeit und Veränderungen in den nordamerikanischen Alt-Amischgemeinschaften...

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