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Geburt, Taufe und Kirchgang in der Fürstenwelt des Alten Reichs

Hauke Petersen

Die Geburt eines fürstlichen Kindes war in der Frühen Neuzeit nicht nur ein Grund zur familiären Freude, sondern weckte auch Hoffnungen auf Erhalt und Steigerung dynastisch-politischer Macht. Sinnbildlich wurden diese Erwartungen im Tauffest mit der Aufnahme des Kindes in die fürstlich-weltliche und kirchliche Gemeinschaft. Im gesamten Verlauf von Schwangerschaft, Geburt, Taufe, Wochenbett und Kirchgang wurden Zeremoniell und Ritual genutzt, um politische Macht darzustellen und zu gestalten. Anhand von vier exemplarisch ausgewählten frühneuzeitlichen Höfen – Wien, Dresden, Stuttgart und Gottorf – wird die Bedeutung und die Instrumentalisierung fürstlicher Geburten, Taufen und Kirchgänge erklärt.

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1 Präliminarien

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1.1 Gegenstand und Problemstellung Am 24. Februar 2012 schrieb die Süddeutsche Zeitung über die Geburt der Tochter des schwedischen Kronprinzenpaares: „Es ist sieben Uhr, als der glückliche Vater nach durchwachter Nacht vor die Kameras tritt und sagt, worauf Schweden seit Wochen gespannt wartet: ‚Es ist eine total süße Prinzessin.‘ [...] Der Auftritt des stolzen Vaters wird auf allen Fernsehkanälen unzählige Male wiederholt. Schließlich ist die Geburt nicht nur ein freudiges Ereignis, sondern auch eine Art Staatsakt.“1 Weiter berichtete die Zeitung, dass kurz nach der Geburt der schwedische Ministerpräsident Reinfeldt und drei Hofbeamte Mutter und Kind besuchten: „Nach altem Brauch müssen die vier schriftlich bezeugen, dass das Baby wirk- lich vom Königshaus abstammt.“ Nach der verkündeten Geburt seien 42 Salut- schüsse abgefeuert worden. Auch die Taufe war Gegenstand der Berichterstat- tung. Spekulationen über Termin, Ort und Taufpaten machten die Runde. Erwar- tet wurde, dass „Mitglieder befreundeter Königshäuser – etwa aus Norwegen oder Dänemark – die Rolle übernehmen.“2 Betrachtet man fürstliche Geburts- und Tauffeste in der Frühen Neuzeit, kommen Historikerinnen und Historikern die Vorgänge am schwedischen Kö- nigshof der Gegenwart erstaunlich bekannt vor. Zeremonielle Abläufe und Ritu- ale haben offensichtlich über Jahrhunderte überlebt und besitzen zudem auch heute noch eine bemerkenswerte Relevanz – wenn auch eher in den Blättern der tabloid press. Warum leben diese Rituale fort? Anzunehmen ist, dass Elemente „symbolischer Kommunikation“ auch heute noch eine Wirkmächtigkeit besit- zen, die weit über...

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