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Geburt, Taufe und Kirchgang in der Fürstenwelt des Alten Reichs

Hauke Petersen

Die Geburt eines fürstlichen Kindes war in der Frühen Neuzeit nicht nur ein Grund zur familiären Freude, sondern weckte auch Hoffnungen auf Erhalt und Steigerung dynastisch-politischer Macht. Sinnbildlich wurden diese Erwartungen im Tauffest mit der Aufnahme des Kindes in die fürstlich-weltliche und kirchliche Gemeinschaft. Im gesamten Verlauf von Schwangerschaft, Geburt, Taufe, Wochenbett und Kirchgang wurden Zeremoniell und Ritual genutzt, um politische Macht darzustellen und zu gestalten. Anhand von vier exemplarisch ausgewählten frühneuzeitlichen Höfen – Wien, Dresden, Stuttgart und Gottorf – wird die Bedeutung und die Instrumentalisierung fürstlicher Geburten, Taufen und Kirchgänge erklärt.

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6 Ausblick: Höfische Taufzeremonielle an der Schwelle zur Moderne

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Zum Ende der Frühen Neuzeit erlebte die höfische Kultur und mit ihr vor allem das Zeremoniell als Form symbolisch-politischer Kommunikation eine Umbruchsphase. Spätestens mit den militärischen und zivilen Erfolgen eines Napoleon Bonaparte erfuhr das höfische Zeremoniell in Mitteleuropa eine starke Zäsur, so die herkömmliche Forschungsmeinung.1 Neuere Forschungen betonen hingegen die Kontinuität des höfischen Zeremoniells.2 Besonders auffällig ist, dass die Monarchen des 19. Jahrhunderts wie selbstverständlich auf das Zere- moniell als Kommunikationsform zurückgriffen.3 Zwei im Folgenden kurz skiz- zierte Beispiele höfischer Taufen am Wiener Hof aus den Jahren 1791 (Erzher- zogin Maria-Louise) und 1793 (Erzherzog Ferdinand) verweisen jedoch auf ein deutlich gestörtes Verhältnis höfischer Herrschaftsträger zum Zeremoniell. Die Hofprotokolle zu diesen beiden Taufen weisen eine eklatante Reihe zeremoniel- ler Ungenauigkeiten und Konflikte auf. Den Vollzug der Taufe der Erzherzogin Maria-Louise im Jahr 1791 über- nahm Erzherzog Maximilian, Kurfürst und Erzbischof von Köln.4 Schon der Zug in den Taufsaal wurde nicht der vorgeschriebenen Ordnung gemäß vollzo- gen, so dass Maximilian Franz nicht an demselben teilnahm, da „wieder der ertheilten Vorschrift weder Stände noch Kammerherrn sich bey höchst demsel- ben einfanden, die vorgetretten wären.“5 Der Kurfürst selbst schien mit dem Ze- remoniell der Taufe ebenfalls nicht firm zu sein, denn nach der „Aufgiessung des Wassers vergaß der Herr Churfürst die Worte. Ich taufe dich zu sagen, auf Ermahnung eines Infulati mußte er also das Wasser nochmal aufgiessen...

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