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Danziger Umgangssprache und ihre Spezifik

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Grazyna Lopuszanska-Kryszczuk

Die gemeinsame, viele Jahrhunderte alte Geschichte der Kaschuben, Deutschen und Polen in Danzig führte zur Herausbildung einer Kommunikationsgemeinschaft, in der unterschiedliche, alle drei Nationen integrierende Bindungen zwischen den Menschen bestehen. Die wesentlichen gesellschaftlichen Prozesse, Zusammenarbeit und Anpassung, haben zur sprachlichen Akkomodation und Assimilation im Bereich der städtischen, multiethnischen Sprachgemeinschaft beigetragen. Das aus Standardsprache, standardnaher und dialektaler Umgangssprache erwachsene sprachliche Kontinuum zeichnet sich einerseits durch beachtliche Kontraste und anderseits durch ziemlich fließende Übergänge zwischen einzelnen Varietäten aus. Diese Form der städtischen Umgangssprache, die sich in Danzig infolge der Wanderungsbewegungen und sozialer Umschichtungsprozesse herausgebildet hat, wurde mit der Zeit zur vorherrschenden Verkehrssprache, die unabhängig vom Bewusstsein der ethnischen Zugehörigkeit zu einem der wichtigsten identitätsstiftenden Elemente des Danziger Bürgers wurde.

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2. Historische Grundlage der Sprachsituation in Danzig

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Die Geschichte einer Stadt verbinden mit dem Boden, auf dem sie erwachsen ist, die innigsten Beziehungen. Pommern ist ein altes pomeranisches Sprachgebiet, das den Status eines Grenzgebiets nicht erst seit Jahrhunderten, sondern schon seit Jahrtausenden besitzt, und wo die noch vorgeschichtlichen Kontakte der germanischen Kultur innerhalb der indoeuropäischen Dialektgemeinschaft mit den baltischen und slawischen Kulturen aufeinander wirken. Der Ort, an dem Danzig entstand, ist der einzige, an dem sich eine bedeutende Hafenstadt entwi- ckeln konnte. Die Nähe der Meeresküste, der schiffbare Fluss - die Motlau, die sich in die Weichsel ergießt - und die nachbarliche Berührung des flachen Nie- derlandes im Osten bildeten ausgezeichnete Voraussetzungen dafür , dass sich an dieser Stätte eine bedeutende Hafenstadt entwickeln konnte. Seit immer schon trägt auch das Gebiet an der Bucht den Status eines typischen Grenzge- biets. Allem Anschein nach ist der Mensch gegen Ende der Eiszeit von Süden her entlang der Weichsel an die Meerseeküste gekommen. In der Steinzeit, noch im Laufe des zweiten Jahrtausends vor unserer Zeit, ließ er sich dann hier nie- der. In den ersten Jahrhunderten unserer Zeit sind hier germanische, prussische und dann slawische Einwirkungen zu bemerken (Cieślak 1978, 27-38). Bereits hier treffen die Kulturströmungen der großen südwestlichen und nordöstlichen Provinzen Europas aufeinander. Alle in diesem Gebiet aufeinander folgenden Kulturen hatten einen synkretischen Charakter. Der Bernstein war es, der zu den die ersten Beziehungen der Bewohner der westpommerschen Meeresküste8 mit anderen Völkern und...

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