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Danziger Umgangssprache und ihre Spezifik

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Grazyna Lopuszanska-Kryszczuk

Die gemeinsame, viele Jahrhunderte alte Geschichte der Kaschuben, Deutschen und Polen in Danzig führte zur Herausbildung einer Kommunikationsgemeinschaft, in der unterschiedliche, alle drei Nationen integrierende Bindungen zwischen den Menschen bestehen. Die wesentlichen gesellschaftlichen Prozesse, Zusammenarbeit und Anpassung, haben zur sprachlichen Akkomodation und Assimilation im Bereich der städtischen, multiethnischen Sprachgemeinschaft beigetragen. Das aus Standardsprache, standardnaher und dialektaler Umgangssprache erwachsene sprachliche Kontinuum zeichnet sich einerseits durch beachtliche Kontraste und anderseits durch ziemlich fließende Übergänge zwischen einzelnen Varietäten aus. Diese Form der städtischen Umgangssprache, die sich in Danzig infolge der Wanderungsbewegungen und sozialer Umschichtungsprozesse herausgebildet hat, wurde mit der Zeit zur vorherrschenden Verkehrssprache, die unabhängig vom Bewusstsein der ethnischen Zugehörigkeit zu einem der wichtigsten identitätsstiftenden Elemente des Danziger Bürgers wurde.

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3. Theoretische und methodologische Grundlagen

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Die Herausbildung des Danzigerischen als das sprachliche Kontinuum und Sub- system der deutschen Standardsprache zeigt in mehrfacher Hinsicht Möglichkei- ten für die Darstellung von Entwicklungstendenzen in der Sprache, hier speziell im Gefüge der regionalen Varietäten. Die einschlägige Literatur bietet allenthal- ben Hinweise darauf, in denen immer wieder gerade die Städte als besonders entscheidende Faktoren gekennzeichnet werden. (Schlobinsky 1983,1988; Ditt- mar/Schlieben-Lange 1982, 9 – 86; Gehl 2005) Nicht selten sind die Städte we- gen ihres schriftlichen Charakters a priori nicht in regionale Dialektuntersu- chungen einbezogen worden, weshalb ungewöhnliche Erscheinungen im Laut- und Wortbestand stadtnachbarlicher Orte meist mit kurzen Hinweisen auf die von der Stadt her eingedrungene Schriftsprache erledigt werden, ohne ihnen im Zusammenhang nachzugehen. (Becker 1933; Polenz 1954) Bei der Durchsicht der Forschungsliteratur stellt sich heraus, dass die Grundbegriffe der Dialektolo- gie eine Fülle von Definitionen und Begriffen bereit halten. (Adelung 1793 – 180291, 313; Schwarz 195930; Bach 196931, 3; Ammon 1983, 200432; Wiesinger 29 Adelung (1793 – 1801, Bd. 3, 311) schreibt: die Mundart sei die besondere Art zu re- den, wodurch sich die Einwohner einer Gegend von den Einwohnern anderer Gegenden unterscheiden, die Abweichungen einzelner Gegenden in der gemeinschriftlichen Spra- che; wohin also nicht nur Abweichungen in der Aussprache, sondern auch die Bildung, der Bedeutung und dem Gebrauche der Wörter gehöret. [...] 30 Statt einer Definition werden Erscheinungsweisen aufgezählt, Beispiele verschiedener Mundarten aufgezeigt Fälle, bei denen eigentlich nicht mehr von Mundart gesprochen werden kann (Schwarz 1959, 17 – 19) 31...

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