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Danziger Umgangssprache und ihre Spezifik

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Grazyna Lopuszanska-Kryszczuk

Die gemeinsame, viele Jahrhunderte alte Geschichte der Kaschuben, Deutschen und Polen in Danzig führte zur Herausbildung einer Kommunikationsgemeinschaft, in der unterschiedliche, alle drei Nationen integrierende Bindungen zwischen den Menschen bestehen. Die wesentlichen gesellschaftlichen Prozesse, Zusammenarbeit und Anpassung, haben zur sprachlichen Akkomodation und Assimilation im Bereich der städtischen, multiethnischen Sprachgemeinschaft beigetragen. Das aus Standardsprache, standardnaher und dialektaler Umgangssprache erwachsene sprachliche Kontinuum zeichnet sich einerseits durch beachtliche Kontraste und anderseits durch ziemlich fließende Übergänge zwischen einzelnen Varietäten aus. Diese Form der städtischen Umgangssprache, die sich in Danzig infolge der Wanderungsbewegungen und sozialer Umschichtungsprozesse herausgebildet hat, wurde mit der Zeit zur vorherrschenden Verkehrssprache, die unabhängig vom Bewusstsein der ethnischen Zugehörigkeit zu einem der wichtigsten identitätsstiftenden Elemente des Danziger Bürgers wurde.

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6. Soziolinguistische Determinante der explorierten Texte

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Die heute schon historischen Quellenmaterialien sind an einem bestimmten Ort und unter bestimmten Kommunikationsbedingungen und Begleitumständen ent- standen, für die etwas Typisches und die Relativität der Situation charakteristisch ist. Es entsteht also die Notwendigkeit zu bestimmen, inwieweit die Endform der explorierten Texte von der soziolinguistischen Situation bedingt wurde. Im Fol- genden wird Augenmerk auf die Bestandteile der sprachlichen Kommunikation gerichtet, die für die geführten Stammtischgespräche charakteristisch waren. Die bisherigen synchronischen linguistischen sprachhistorischen Erfor- schungen der in den Stadtbüchern fixierten historischen Sprachen (Grabarek 1984, Piirainen 1997, Wiktorowicz 1980) sind auf die Wiederherstellung des eingeprägten historischen Sprachsystems angewiesen ohne irgendwelche sozio- linguistischen Elemente der Sprachbeschreibung zu berücksichtigen. Doch er- öffnen soziolinguistische Methoden auch in der diachronischen Sprachwissen- schaft neue Untersuchungsperspektiven, was schon in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts von der europäischen Sprachwissenschaftlern postuliert wurde. (Zabrocki 1972, 23; Schlobinski 1987, Wiktorowicz 2011, 127 – 137) Der Autor der untersuchten Texte, Fritz Jaenicke, war geborener Danziger, der das Milieu, in dem er lebte, gut kannte. Er war auch der alltäglichen Um- gangssprache, dem Danziger Missingsch mächtig. Seine wöchentlichen Glossen, deren Hauptfiguren durchschnittliche, Missingsch sprechende Danziger waren, erfreuten sich unter den Lesern großer Popularität und führten zur Herausbil- dung einer Neu-Danziger Identität, die von einer breiten Schicht durch bewuss- ten Gebrauch des Missingsch demonstriert wurde. Jaenicke entwickelte und ver- einheitlichte das Missingsch in seiner immer am Samstag erscheinenden Glosse, in der der Rentier Poguttke die Ereignisse der vergangenen...

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