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Danziger Umgangssprache und ihre Spezifik

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Grazyna Lopuszanska-Kryszczuk

Die gemeinsame, viele Jahrhunderte alte Geschichte der Kaschuben, Deutschen und Polen in Danzig führte zur Herausbildung einer Kommunikationsgemeinschaft, in der unterschiedliche, alle drei Nationen integrierende Bindungen zwischen den Menschen bestehen. Die wesentlichen gesellschaftlichen Prozesse, Zusammenarbeit und Anpassung, haben zur sprachlichen Akkomodation und Assimilation im Bereich der städtischen, multiethnischen Sprachgemeinschaft beigetragen. Das aus Standardsprache, standardnaher und dialektaler Umgangssprache erwachsene sprachliche Kontinuum zeichnet sich einerseits durch beachtliche Kontraste und anderseits durch ziemlich fließende Übergänge zwischen einzelnen Varietäten aus. Diese Form der städtischen Umgangssprache, die sich in Danzig infolge der Wanderungsbewegungen und sozialer Umschichtungsprozesse herausgebildet hat, wurde mit der Zeit zur vorherrschenden Verkehrssprache, die unabhängig vom Bewusstsein der ethnischen Zugehörigkeit zu einem der wichtigsten identitätsstiftenden Elemente des Danziger Bürgers wurde.

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7. Danziger Missingsch

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Schon in der Blütezeit des Mittelniederdeutschen, sicherlich aber seit dem 16. Jahrhundert war das Niederdeutsche in der Danziger Kanzlei stark mit hoch- deutschen Wörtern durchsetzt, was auch mit auch mit der Einwanderung der niederdeutschen und mitteldeutschen Siedler verbunden war. Einen starken sprachlichen Einfluss auf die Verbreitung des Mitteldeutschen in Danzig hatte auch der deutsche Ritterorden, mit dem der Stadtrat auf Mitteldeutsch korres- pondierte. (Barth 1938, 17) Es ist anzunehmen, dass in Danzig schon lange vor 1556 die beiden deutschen Dialekte (Niederdeutsch und Mitteldeutsch) neben dem Westslawischen und Prussischen55, gesprochen wurden. (Cordes/Möhn 1983, 147; Barth 1938, 7, 16) An Stelle des zurücktretenden Niederdeutschen und auf der Grundlage des Mitteldeutschen, sowie des westslawischen sprachlichen Substrats hatte sich in den nördlichen Hansestädten, darunter auch in Danzig eine neue Form der Um- gangssprache – das Danziger Missingsch herausgebildet, das sich von den in Lübeck, Hamburg, Greifswald und in anderen norddeutschen Städten entwickel- ten Formen der Stadtsprachen unterschied, da es auf dem westslawischen und baltischen Substrat entstand und nur im Gebiet der Stadt gebraucht, zum identi- tätsstiftenden Element der Danziger mittleren Bürgerschicht wurde. Die etymologische Herleitung des Wortes Missingsch ist umstritten. Die Er- klärung des Wortes Missingsch als gemischt scheint nicht glaubwürdig zu sein. (Sanders 1982, 170) Die beiden Dialekte – Nieder- und Mitteldeutsch- wurden im 16. Jahrhundert als dǖdesch bezeichnet. Am Schluss der Lübeckischen nie- derdeutschen Bibel vom Jahre 1534 steht geschrieben, dass die Übersetzung mit ihrem důdeschen (hochdeutschen) Original verglichen...

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