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Danziger Umgangssprache und ihre Spezifik

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Grazyna Lopuszanska-Kryszczuk

Die gemeinsame, viele Jahrhunderte alte Geschichte der Kaschuben, Deutschen und Polen in Danzig führte zur Herausbildung einer Kommunikationsgemeinschaft, in der unterschiedliche, alle drei Nationen integrierende Bindungen zwischen den Menschen bestehen. Die wesentlichen gesellschaftlichen Prozesse, Zusammenarbeit und Anpassung, haben zur sprachlichen Akkomodation und Assimilation im Bereich der städtischen, multiethnischen Sprachgemeinschaft beigetragen. Das aus Standardsprache, standardnaher und dialektaler Umgangssprache erwachsene sprachliche Kontinuum zeichnet sich einerseits durch beachtliche Kontraste und anderseits durch ziemlich fließende Übergänge zwischen einzelnen Varietäten aus. Diese Form der städtischen Umgangssprache, die sich in Danzig infolge der Wanderungsbewegungen und sozialer Umschichtungsprozesse herausgebildet hat, wurde mit der Zeit zur vorherrschenden Verkehrssprache, die unabhängig vom Bewusstsein der ethnischen Zugehörigkeit zu einem der wichtigsten identitätsstiftenden Elemente des Danziger Bürgers wurde.

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8. Das graphematische, phonetische und phonologische System

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Das im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in der Stadt gesprochene Danziger Missingsch wurde zur vorherrschenden lokalen Verkehrssprache, weil es mit seiner hochdeutschen Grundlage für Ortsfremde verständlich war. Es besaß zahlreiche lokale Charakteristika, die aus dem Niederdeutschen, aber auch aus dem Kaschubischen60, Polnischen und Baltischen stammten. Das Missingsch war zwar sozial differenziert und in je unterschiedlichem Maße von Elementen aus dem Niederdeutschen, Westslawischen, sozialen Randsprachen oder anderen Mischsprachen durchsetzt, hatte auch eine Reihe von archaischen Sprachele- menten bewahrt, prägte aber nach seiner schriftlichen Kodifizierung durch Fritz Jaenicke Anfang des 20. Jahrhunderts die Selbstwahrnehmung der lokalen Ge- meinschaft in all ihren Schichtungen. Fritz Jaenicke war der einzige, der Mis- singsch verschriftlichte und nur an Hand seiner erhaltenen Texte ist diese eigen- artige Form der Danziger Umgangssprache zugänglich. Die grbliebenen Texte sind die einzige und wichtigste Quelle, die erlauben die Eigentümlichkeiten der Struktur des von dem nicht mehr existierenden Sprachsystems kennenzulernen, sind die einzige und die wichtigste Quelle. Bei der Untersuchung des geschriebenen Textes erscheint das Problem der Relation Phonem – Graphem, die in den älteren Sprachforschungen nicht ein- deutig bestimmt wurde. Da bei der graphematischen Analyse des geschriebenen Textes nur die geschriebene Form zur Verfügung steht, erweist sich die Interpre- tation des graphischen Systems als notwendig. In dem Kommunikationsprozess ist die Schrift eine sekundäre Repräsentati- on der Sprache. Das Verhältnis Graphem – Phonem ist nicht völlig eindeutig. Phonographische Verschriftungssysteme sind phonologisch orientiert – distink- tive Lautklassen (Phoneme) werden mit graphischen Zeichen nach dem...

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