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Danziger Umgangssprache und ihre Spezifik

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Grazyna Lopuszanska-Kryszczuk

Die gemeinsame, viele Jahrhunderte alte Geschichte der Kaschuben, Deutschen und Polen in Danzig führte zur Herausbildung einer Kommunikationsgemeinschaft, in der unterschiedliche, alle drei Nationen integrierende Bindungen zwischen den Menschen bestehen. Die wesentlichen gesellschaftlichen Prozesse, Zusammenarbeit und Anpassung, haben zur sprachlichen Akkomodation und Assimilation im Bereich der städtischen, multiethnischen Sprachgemeinschaft beigetragen. Das aus Standardsprache, standardnaher und dialektaler Umgangssprache erwachsene sprachliche Kontinuum zeichnet sich einerseits durch beachtliche Kontraste und anderseits durch ziemlich fließende Übergänge zwischen einzelnen Varietäten aus. Diese Form der städtischen Umgangssprache, die sich in Danzig infolge der Wanderungsbewegungen und sozialer Umschichtungsprozesse herausgebildet hat, wurde mit der Zeit zur vorherrschenden Verkehrssprache, die unabhängig vom Bewusstsein der ethnischen Zugehörigkeit zu einem der wichtigsten identitätsstiftenden Elemente des Danziger Bürgers wurde.

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10. Zu einigen syntaktischen Besonderheiten

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Der Vergleich des Danziger Missingschs mit der deutschen Standardsprache auf der syntaktischen Ebene zeigt eine große Zahl von Übereinstimmungen zwi- schen beiden Erscheinungsformen, es gibt aber auch einige deutliche Unter- schiede, die nicht unbeachtet bleiben sollten. Das außersprachlich bedingte Zu- sammentreffen verschiedener sprachlicher Systeme in Danzig hinterließ auch Spuren im Bereich der Syntax. Einige Erscheinungen wurden bereits im Rah- men der Morphologie besprochen: Nachstellung des Adjektivs, spezielle Geniti- vumschreibung, häufiger Gebrauch des Reflexivpronomens sich unter dem Ein- fluss der nichtdeutschen Sprachen. Charakteristisch für das Danzigerische ist die Verwendung was und wo als Relativpronomina. Alle Relativpronomina bleiben unverändert wie das skandi- navische som. In den slawischen Sprachen, die in Danzig gesprochen wurden, werden jak (wie) gdzie (wo) und co (was) auch nicht gebeugt. Da in der Stadt Polnisch, Kaschubisch und Prussisch alltäglich gesprochen wurde, scheint die Behauptung berechtigt zu sein, dass der von der deutschen Standardsprache ab- weichende Gebrauch von was und wo als Relativpronomina, sich unter dem Ein- fluss der westslawischen Sprachen ausgebreitet hat: „Wo hast das Jäld, wo aufe zwei Gulden rausjekricht hast?" fraacht se. (Wo hast du das Geld, welches du aus den zwei Gulden rausgekriegt hast?“ fragt sie.); Einer langt mich jen Jung raufer, wo innen Pleed einjewickelt is, und jibbt mich de Ziejel inne Hand. (Ei- ner reicht mir den Jungen rauf, der in ein Plaid eingewickelt ist, und gibt mir die Zügel in die Hand.); Die Kinderchens, was sich da spielen. (Die Kinder, die dort spielen), Die...

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