Show Less

Gloire à Dieu seul

Protestantismus in der französischen Prosaliteratur des 16. Jahrhunderts

Bianca Jarlan

Frankreich im 16. Jahrhundert: Die Frage nach dem rechten Glauben spaltet eine ganze Nation und führt zu blutigen Bürgerkriegen. Auch die Autoren in dieser theologisch-hermeneutischen Studie sehen sich mit ihr konfrontiert: Marguerite de Navarre, François Rabelais, Henri Estienne und Michel de Montaigne. Die Theologie ihrer Werke, Gegenstand jahrhundertelanger Spekulationen, ist das Thema der vorliegenden Untersuchung, die im Bereich der Literaturwissenschaft methodisches Neuland betritt. Die Arbeit beurteilt mit Hilfe fundamentaler protestantischer Glaubensinhalte und einschlägiger Traktate des 15. und 16. Jahrhunderts die genannten Autoren hinsichtlich ihrer Religiosität, geht konfessionellen Vorurteilen auf den Grund und gewährt differenzierte theologische und geschichtliche Einblicke.

Prices

See more price optionsHide price options
Show Summary Details
Restricted access

4 Doktor Alcofribas’ Rezeptur für das Überleben in düsteren Zeiten: Les Cinq livres

Extract

François Rabelais (*1494-1553) lebte wie Marguerite de Navarre in einer Zeit der Umbrüche; er wurde Zeuge des Niedergangs der mittelalterlichen katholi- schen Kirche, der Etablierung jenes Patchworks an westlichen christlichen Kir- chen nach der Reformation sowie der schweren innenpolitischen Unruhen in Frankreich. Der Schriftsteller, Arzt und Humanist war kein zurückgezogener Privatier oder weltfremder Kleriker, sondern ein überaus gebildeter, vielseitig interessierter Mann, der Erasmus verehrte und für erfahrene Diplomaten wie Guillaume und Jean du Bellay arbeitete. Er war also schon berufsbedingt immer auf dem neuesten Stand der Dinge. Und jene „Dinge“ waren im 16. Jahrhundert nun einmal: Kirche, Glaube und Religion mit ihren vielfältigen Verwicklungen im gesellschaftlichen Leben. Fanatismus sowohl bei Katholiken als auch bei Protestanten machte die Kompromissbereitschaft zur einzigen positiven Lö- sungsmöglichkeit der Konflikte – sie wurde vor allem von Leuten gefordert, die sich von keiner der beiden Seiten vereinnahmen ließen und die in erster Linie das Gemeinwohl der Nation im Blick hatten. Solche Leute waren zum Beispiel die Brüder du Bellay, die Rabelais schützten und förderten, und auch Rabelais selbst. Die erstaunlich deutlichen protestantischen Anklänge in seinem Werk sind noch nicht der verbissene Fanatismus, der Protestanten in die Religions- kriege treibt und sie dazu bringt, blutige Martyrien auszuhalten. Rabelais und andere Renaissance-Autoren haben eine Botschaft, die nicht jene hassgeladenen und vorurteilserfüllten Ausbrüche beinhaltet, sondern lustige und harmonische „forays leading to the righting of wrongs, the establishments of harmonies, the restoration of sanity“644. Dies erinnert...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.