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Gloire à Dieu seul

Protestantismus in der französischen Prosaliteratur des 16. Jahrhunderts

Bianca Jarlan

Frankreich im 16. Jahrhundert: Die Frage nach dem rechten Glauben spaltet eine ganze Nation und führt zu blutigen Bürgerkriegen. Auch die Autoren in dieser theologisch-hermeneutischen Studie sehen sich mit ihr konfrontiert: Marguerite de Navarre, François Rabelais, Henri Estienne und Michel de Montaigne. Die Theologie ihrer Werke, Gegenstand jahrhundertelanger Spekulationen, ist das Thema der vorliegenden Untersuchung, die im Bereich der Literaturwissenschaft methodisches Neuland betritt. Die Arbeit beurteilt mit Hilfe fundamentaler protestantischer Glaubensinhalte und einschlägiger Traktate des 15. und 16. Jahrhunderts die genannten Autoren hinsichtlich ihrer Religiosität, geht konfessionellen Vorurteilen auf den Grund und gewährt differenzierte theologische und geschichtliche Einblicke.

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7 Schlussbemerkungen

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Ziel der vorliegenden Arbeit war die theologische Analyse französischer Prosa- literatur des 16. Jahrhunderts. Diese Analyse war hermeneutischer Natur, also auf Verständnis ausgerichtet. Nach Hans-Georg Gadamer, auf dessen Welt-, Ge- schichts- und Literaturbetrachtung dabei zurückgegriffen wurde, bedeutet Ver- ständnisinteresse, das zu Verstehende so zu erfassen, wie es seiner jeweiligen Eigenintention nach verstanden werden will.2054 Dieser Eigenintention auf die Spur zu kommen, ist das Ziel der Analyse gewesen. Die sog. Eigenintention deutet aber auch auf eine Andersartigkeit des zu Verstehenden hin, die Gadamer unbedingt anerkannt wissen will und die möglicherweise zur Korrektur bzw. Erweiterung des an den Text herangetragenen Vorverständnisses führt.2055 Of- fenheit für Andersartigkeit und Bereitschaft zur Korrektur von Vormeinungen sind besonders im Umgang mit dem bewegten 16. Jahrhundert vonnöten. Be- wegt war es nämlich nicht nur in politisch-zeitgeschichtlicher, sondern auch in philosophischer, kultureller und religiöser Hinsicht. Vieles war im Wandel und im Werden und gestaltete sich daher nicht so eindeutig, wie man es heute gerne wahrnimmt. Der Wandel betraf in erster Linie natürlich die neuen christlichen Konfessionen, die aus der Reformation hervorgegangen waren. Er betraf aber auch die römische Kirche: Die Besinnung auf die eigentlichen Grundlagen, das Ausmerzen von geistlichem Wildwuchs und die systematische theologische Re- flexion im Zuge des Tridentinums, zusammengefasst unter dem Begriff der Ge- genreformation, gab der katholischen Konfession neue Verve. Mit entsprechen- der Umsicht muss die Umsetzung des oben beschriebenen Analyseziels ange- gangen werden, denn wie sollen die Autoren des 16. Jahrhunderts...

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