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Don Juan Tenorio

Zur Vorgeschichte des Don Juan-Stoffes in der europäischen Volksüberlieferung

Leander Petzoldt

Einer der großen Stoffe der Weltliteratur wird hier zu seinen Ursprüngen zurückverfolgt. Die Spannweite reicht vom archaischen Totenkult über christliche Exegese im barocken Predigtexempel bis hin zu da Ponte/Mozarts Don Giovanni. Dabei wird deutlich, wie sich der Stoff verschiedenen Gattungen anverwandelt und sich unterschiedlicher Medien bedient. Breiten Raum nehmen dabei einschlägige Glaubensvorstellungen und Volkserzählungen vom Steinernen Gast und vom Beleidigten Totenschädel, die tendenziös theologisch-politischen Bearbeitungen des Stoffes im Jesuitendrama (Leontius) und seine Trivialisierung im Puppenspiel und Volksschauspiel ein. Der Autor stellt Quellenmaterial aus über zwanzig Ethnien zu Verfügung, das in dieser Vollständigkeit bisher einmalig ist.

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Vorwort

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Das Mittelalter weiß viel von einem Berge zu erzählen, der auf keiner Landkarte zu finden ist, dem Venus-Berg. Da hat die Sinnlichkeit ihr Heim, da hat sie ihre wilden Freuden; denn sie ist ein Reich, ein Staat. In diesem Reich ist die Spra- che nicht zu Hause, nicht die Besonnenheit des Denkens, der Reflexion mühe- volles Erraffen; da ertönt nur die elementare Stimme der Leidenschaft, das Spiel der Lüste, der Trunkenheit wildes Toben; der Genuß regiert in ewigem Taumel. Der Erstgeborene dieses Reiches ist Don Juan. Damit ist noch nicht gesagt, dass es das Reich der Sünde sei; aber dann ist Don Juan getötet, dann verstummt die Musik; man sieht nur den verzweifelten Trotz, der ohnmächtig aufbegehrt, aber keine Konsistenz finden kann, nicht einmal in Tönen. Indem die Sinnlichkeit sich als das offenbart, was ausgeschlossen werden soll, als das, womit der Geist nichts zu tun haben will, ohne dass er jedoch ein Urteil gefällt oder verurteilt hat, damit nimmt das Sinnliche diese Gestalt an; es ist das Dämonische in ästheti- scher Indifferenz. Søren Kierkegaard schrieb diese Sätze 1843 in seiner berühmten Schrift „Ent- weder – Oder“ und stellte Don Juan als Realisierung des dämonisch-sinnlichen Prinzips dem dämonisch-geistigen Prinzip in der Figur des Dr. Faust gegenüber. Ähnlich, doch nicht in solch philosophischer Diktion, stellt sich dem Dichter der Charakter Don Juans dar, der zum Typus des Verführers geworden und in tausend Wandlungen bis in unsere...

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