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Don Juan Tenorio

Zur Vorgeschichte des Don Juan-Stoffes in der europäischen Volksüberlieferung

Leander Petzoldt

Einer der großen Stoffe der Weltliteratur wird hier zu seinen Ursprüngen zurückverfolgt. Die Spannweite reicht vom archaischen Totenkult über christliche Exegese im barocken Predigtexempel bis hin zu da Ponte/Mozarts Don Giovanni. Dabei wird deutlich, wie sich der Stoff verschiedenen Gattungen anverwandelt und sich unterschiedlicher Medien bedient. Breiten Raum nehmen dabei einschlägige Glaubensvorstellungen und Volkserzählungen vom Steinernen Gast und vom Beleidigten Totenschädel, die tendenziös theologisch-politischen Bearbeitungen des Stoffes im Jesuitendrama (Leontius) und seine Trivialisierung im Puppenspiel und Volksschauspiel ein. Der Autor stellt Quellenmaterial aus über zwanzig Ethnien zu Verfügung, das in dieser Vollständigkeit bisher einmalig ist.

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Einleitung

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„Bekanntlich gilt in unserem spanischen Land der Freigeist, der Häretiker, für schlimmer als Mörder, Dieb oder Ehebrecher. Die schwerste Sünde ist der Ungehorsam gegen die Kirche, deren Unfehlbarkeit uns gegen die bloße Vernunft beschirmt.“ Miguel de Unamuno In der vorliegenden Monographie wird der Versuch unternommen, den Stoff des Don Juan-Dramas auf seine volkstümlichen Wurzeln zurückzuführen und die Interdependenzen zwischen Literatur und der narrativen populären Überliefe- rung aufzuzeigen und zu ihren Ursprüngen zurück zu verfolgen. Dabei kommen wir zum Kernmotiv der Erzählung, nämlich der Einladung eines Toten bzw. eines Totenschädels zu einem Gastmahl, wie es in vielen Sagen und Predigtexempeln geschildert wird, und wie es noch in der Oper in der Einladung des ermordeten Commendatore Don Gonzalo de Ulloa nachklingt. Am bekanntesten ist diese Sage wohl in der Fassung, die ihr da Ponte in Mozarts Oper „Don Giovanni“ gab.1 Von seinem Libretto führt ein weitver- zweigter Weg zurück bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts zu Tirso de Molina, durch den dieser Stoff seine erste literarische Gestaltung erfuhr.2 Aber auch von Tirso, dem Bruder Gabriel Tellez aus dem Mercedarier-Orden, können wir annehmen, dass er für die einzelnen Episoden und Motive seines Schauspiels verschiedene Quellen benutzte. Diese Quellen waren wohl antike Tradition und zeitgenössische volkstümliche Überlieferung; denn gerade die Volkserzählung kennt den Typ des jugendlichen Frevlers, wie er bei Tirso de Molina und in allen weiteren Don Juan-Bearbeitungen auftaucht....

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