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Don Juan Tenorio

Zur Vorgeschichte des Don Juan-Stoffes in der europäischen Volksüberlieferung

Leander Petzoldt

Einer der großen Stoffe der Weltliteratur wird hier zu seinen Ursprüngen zurückverfolgt. Die Spannweite reicht vom archaischen Totenkult über christliche Exegese im barocken Predigtexempel bis hin zu da Ponte/Mozarts Don Giovanni. Dabei wird deutlich, wie sich der Stoff verschiedenen Gattungen anverwandelt und sich unterschiedlicher Medien bedient. Breiten Raum nehmen dabei einschlägige Glaubensvorstellungen und Volkserzählungen vom Steinernen Gast und vom Beleidigten Totenschädel, die tendenziös theologisch-politischen Bearbeitungen des Stoffes im Jesuitendrama (Leontius) und seine Trivialisierung im Puppenspiel und Volksschauspiel ein. Der Autor stellt Quellenmaterial aus über zwanzig Ethnien zu Verfügung, das in dieser Vollständigkeit bisher einmalig ist.

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Teil III: Die literarischen Fassungen der Sage und ihre Beziehungen zur narrativen Volksüberlieferung

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Die Sage vom „Toten Gast“ weist in ihren mündlichen Varianten einige grundle- gende Verschiedenheiten auf, die Anlass geben, nach Herkunft und Ursache sol- cher Unterschiede zu fragen. In den meisten Sagen wird ein Totenschädel einge- laden, in einigen dagegen ein Gehenkter am Galgen. Etliche Versionen erwähnen einen jungen Mann namens Leontius, andere Don Giovanni. Bei letzteren fällt es am leichtesten, Beziehungen zur Literatur herzustellen und nachzuweisen, dass dieses Motiv aus der Hochliteratur in die mündliche Überlieferung gelangte. Aber auch bei anderen mündlichen Versionen lassen sich bestimmte literari- sche Einflüsse feststellen. Man kann daher insofern von Redaktionen der Sage sprechen, als sich infolge literarischer Beeinflussung bestimmte Traditionsgrup- pen herausbilden, die sich durch ihre Eigenart voneinander unterscheiden, und die auf eine gewisse selbständige Bearbeitung und Umformung durch den Erzäh- ler schliessen lassen. Die literarischen Vorbilder stammen aus den verschiedensten Bereichen der Literatur, lassen sich jedoch bei näherer Untersuchung in vier grosse Gruppen nach inhaltlichen bzw. formalen Gesichtspunkten einordnen.495 A. Die erste Gruppe, die „Exempel-Redaktion“, umfasst Varianten aus Pre- digtsammlungen, die von Augustinern, Dominikanern oder Jesuiten verfasst, als Anleitung zur Predigt für die Geistlichen und zur religiösen Unterweisung und Erbauung dienen sollten. B. Die bei weitem umfangreichste Gruppe der „Leontius-Redaktion“ umfasst Stücke des Jesuiten-Schuldramas bzw. davon abhängige Predigten und Volksbü- cher, deren Hauptperson „Leontius, ein welscher Graf“ ist. Die Figur des Leon- tius stammt aus dem Jesuitendrama und diente im Rahmen der Gegenreformation zur Exemplifizierung der grausigen Bestrafung,...

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