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Die Grande Armée in Deutschland 1805 bis 1814

Wahrnehmungen und Erfahrungen von Militärpersonen und Zivilbevölkerung

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Stephanie Poßelt

Die Napoleonischen Kriege von 1805 bis 1814 stellten die Menschen in Deutschland nicht nur aufgrund von Kriegsbelastungen, sondern auch hinsichtlich gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Veränderungen vor neue Herausforderungen. Das Buch untersucht diese Umbruchszeit aus kultur- und sozialgeschichtlicher Perspektive. Im Fokus stehen die Kriegserfahrungen sowohl der deutschen Bevölkerung als auch der Soldaten der Grande Armée und deren gegenseitige Wechselwirkung im zivilen und militärischen Alltag einer ständig dem Wandel unterlegenen Lebenswelt. Die Studie gewährt zudem Einblicke in Wahrnehmungen, Sinnstiftungen und Umdeutungen, die auf zeitgenössischen und retrospektiv verfassten Quellen basieren.

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2 Verbündete, Okkupierte und Modellstaaten

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Um die Erfahrungen der Militärpersonen und Zivilbevölkerung einordnen zu können, wird in diesem Kapitel ein knapper Überblick über die deutschen Staa- ten und deren Interaktion mit Napoleon und Frankreich gegeben. Eine differen- zierte Betrachtungsweise ist aufgrund der unterschiedlichen Verhältnisse der Einzelstaaten im Gesamtrahmen des Heiligen Römischen Reiches unerlässlich. Die föderalistische Struktur der deutschen Staaten sorgte dafür, dass jede Region unterschiedlich mit der französischen Einflussnahme umging, was zu differenten Erfahrungsmöglichkeiten führen konnte. Dabei werden die Staaten in drei Kate- gorien eingeteilt: Bündnisstaaten wie Bayern, Baden und Württemberg, die bei- den Modellstaaten das Königreich Westphalen und das Großherzogtum Berg und okkupierte Staaten wie Preußen und Norddeutschland1. 2.1 Der Rheinbund Durch die Säkularisierung und Mediatisierung der deutschen Landschaft auf- grund des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 wurde die schon langsam voranschreitende Auflösung des deutschen Reichs beschleunigt und letztendlich besiegelt. Dies ergab sich aus der Eroberung der linksrheinischen Gebiete durch die Revolutionsarmee Frankreichs 1795 und der französischen Annexion, die mit dem Frieden von Lunéville 1801 anerkannt wurde. Die rechtsrheinischen Fürsten sollten laut Vertrag für diesen Verlust entschädigt werden, was nur durch die Aufhebung der geistlichen Staatsgebiete ermöglicht werden konnte.2 Allerdings zogen sich die Verhandlungen in die Länge und ohne Vermittler wä- re wahrscheinlich nur schwer eine Einigung zustande gekommen. Frankreich übernahm diese Rolle und sicherte sich seine Einflussmöglichkeiten auf die Ge- bietsverteilungen durch Einzelverhandlungen mit den Vertragspartnern. Die Aufl...

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