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Otfried Preußler – Werk und Wirkung

Von der Poetik des Kleinen zum multimedialen Großprojekt

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Edited By Ernst Seibert and Katerina Kovackova

Mit den elf Beiträgen zu Otfried Preußler, die auf eine Tagung mit deutscher, österreichischer und tschechischer Beteiligung zurück gehen, werden seine Werke in neue interpretatorische Zusammenhänge gestellt. Eingeleitet durch ein Autoren-Portrait, das das Schaffen Preußlers im Rahmen der weitgefächerten Diskussion um den Begriff Mitteleuropa erörtert, werden biographische, historische, motivgeschichtliche und mediale Aspekte behandelt. Es zeigt sich bei diesem Autor so anschaulich wie bei kaum einem anderen, dass er volksliterarische Motive frei und kunstvoll literarisch umzuwandeln versteht, dass sie eine Allgemeingültigkeit erlangen, die über Länder, Nationen und Kontinente hinweg verstanden und nicht nur vom kindlichen Lesepublikum überall auf der Welt dankbar angenommen wird.

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III. ZUR STOFF- UND MOTIVGESCHICHTE

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III. ZUR STOFF- UND MOTIV- GESCHICHTE 177 Die Flucht nach Ägypten – Otfried Preußlers Krippenspiel als Divina Commedia Ernst Seibert Der Titel „Flucht nach Ägypten“, den Otfried Preußler für seinen skurril-anachronistischen Roman gewählt hat, verweist eher in die Kunstgeschichte, weniger in die Stoff- und Motivgeschichte der Literatur oder gar der Kinderliteratur, und das ist vielleicht mit ein Grund dafür, dass dieser Roman nicht eben zu den meistgenannten Werken Preußlers zählt. Gewiss ist der Roman nicht sperrig, wie hilflose Interpreten manche Werke bezeichnen, mit denen sie nicht zurande kommen, jedoch ist er auf eine geradezu überbor- dende Weise vielschichtig. Für das Verständnis erscheint zunächst noch ein kurzer Aufenthalt in der Kunstgeschichte erforderlich. Wir finden ein Bild mit dem Titel „Flucht nach Ägypten“ beim Florentinischen Maler Giotto di Bondone (1266-1337), der Maria und Josef mit dem Jesuskind in eine winterlich gebirgige Land- schaft versetzt, dessen Berge in gleißendem Weiß nahezu an ein Gletschermassiv gemahnen, würden nicht, überraschend bei nähe- rem Betrachten, einzelne Laubbäume aus ihren Hängen übergroß herausragen. Wienkundigen Museums- und Kirchenbesuchern ist hingegen das Bild des spätgotischen Schottenmeisters1 sehr geläu- 1 Schottenmeister ist die Bezeichnung für den (oder auch zwei) Meister des Altares der Schottenkirche in Wien aus dem 15. Jahrhundert, von dem man bislang keine genaue Kenntnis hat. Nichtsdestoweniger stellt dieser Hochaltar nach Qualität und Quantität (etwa 8 Meter Spannwei- te) eines der bedeutendsten der derartigen Werke in Österreich dar. Das...

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