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Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff als Komponistin

Zum Wort-Ton-Verhältnis in ihrem lyrisch-musikalischen Werk

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Lech Kolago

Trotz der umfangreichen Spezialliteratur, die in den letzten 160 Jahren über das Werk der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff entstanden ist, findet man eher wenige Titel die ihre Verskunst und ihre Kompositionen sowie ihre Vertonungen von Gedichten behandeln und die sich mit dem Wort-Ton-Verhältnis in ihrem lyrisch-musikalischen Werk befassen. Man lobt eher ihre Prosawerke, gern zitiert man ihre Balladen. Nur wenigen ist jedoch bekannt, dass sie komponierte und dass sie eine Komponistin von 70 Liedern für Gesang mit Klavierbegleitung und Gesängen ist. Ihre vier Opern: Babylon, Der blaue Cherub, Der Galeerensklave und Der Wiedertäufer wurden leider nicht vollendet. In diesem Buch konzentriert sich der Autor auf das Hervorheben der metrischen, rhythmischen, stilistischen und klanglichen Mittel, die die Dichterin und Komponistin in ihrem lyrisch-musikalischen Werk bevorzugte. Die kompositorischen und poetischen Mittel der Werke der Droste sind nicht neu. Es soll daher versucht werden, der Verbindung von bestimmten rhythmischen, kompositorischen, lyrischen, inhaltlichen Strukturen, die den typischen Stil der westfälischen Dichterin und Komponistin prägen, auf die Spur zu kommen.

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VI. Kompositorische Versuche, Hausmusizieren, gemeinsames Singen von Volksliedern und öffentliche musikalische Auftritte

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Für die Verbreitung von Gedichten um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert sind vor allem zwei Instanzen maßgeblich: Das Journal oder der Almanach, in denen Gedichte gedruckt werden konnten, und das Klavier, das einen erhebli- chen Teil der Lyrik in die Wohnzimmer oder Salons holt. In den Almanachen waren oft Musikvorlagen zu den Gedichten abgedruckt, die zu einer größeren Bekanntheit der Lieder beitrugen. Darüber hinaus gab es eine Fülle von oftmals kurzlebigen Sammelausgaben, die für die Verbreitung der Lyrik vieler Dichter der Zeit, aber auch der Komponisten, immerhin eine Basis bildete. Nicht selten ging die Vertonung eines Textes auf Kosten der Identität des Autors. Vor allem wurden Gedichte mancher Dichter als Kirchenlieder anonym herausgebracht. Trink- und Wanderlieder fanden über Männergesangvereine oder viele Zeitge- dichte über Soldatenliederbücher ihre Öffentlichkeit. Das bürgerliche Musikle- ben wurde also mehr und mehr institutionalisiert. Dazu trugen wesentlich Zei- tungen und Zeitschriften bei, in denen Musik als Teil bürgerlicher Kultur thema- tisiert wurde. Es entwickelte sich das praktische Musizieren, gemeinsames Sin- gen und Ensemblespiel. Die Hausmusik und das Hausmusizieren wurden zum selbstverständlichen Bestandteil bürgerlicher Lebensführung. Alte Modeinstru- mente des 17. Jahrhunderts, Violine und Laute, werden von Flöte und vor allem von dem immer populäreren Clavier abgelöst. Diesem zunehmend anspruchs- volleren privaten Bedürfnis des Musizierens entsprach auch eine Produktion von Lehrwerken, die sowohl im Spiel auf dem Instrument unterwiesen als auch zahl- reiche aufführungspraktische Hinweise enthielten. Bald wird...

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