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Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff als Komponistin

Zum Wort-Ton-Verhältnis in ihrem lyrisch-musikalischen Werk

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Lech Kolago

Trotz der umfangreichen Spezialliteratur, die in den letzten 160 Jahren über das Werk der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff entstanden ist, findet man eher wenige Titel die ihre Verskunst und ihre Kompositionen sowie ihre Vertonungen von Gedichten behandeln und die sich mit dem Wort-Ton-Verhältnis in ihrem lyrisch-musikalischen Werk befassen. Man lobt eher ihre Prosawerke, gern zitiert man ihre Balladen. Nur wenigen ist jedoch bekannt, dass sie komponierte und dass sie eine Komponistin von 70 Liedern für Gesang mit Klavierbegleitung und Gesängen ist. Ihre vier Opern: Babylon, Der blaue Cherub, Der Galeerensklave und Der Wiedertäufer wurden leider nicht vollendet. In diesem Buch konzentriert sich der Autor auf das Hervorheben der metrischen, rhythmischen, stilistischen und klanglichen Mittel, die die Dichterin und Komponistin in ihrem lyrisch-musikalischen Werk bevorzugte. Die kompositorischen und poetischen Mittel der Werke der Droste sind nicht neu. Es soll daher versucht werden, der Verbindung von bestimmten rhythmischen, kompositorischen, lyrischen, inhaltlichen Strukturen, die den typischen Stil der westfälischen Dichterin und Komponistin prägen, auf die Spur zu kommen.

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XIX. Mehrstimmige Lieder

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In dieser Abteilung finden vier Lieder Platz. Das Lied Am Grünendonnerstage wurde im Kapitel XIV mit den Gedichten Der Venuswagen und Der weiße Aar analysiert. Deswegen werde ich es in diesem Kapitel „Mehrstimmige Lieder“ nicht besprechen. Die übrigen drei Lieder in diesem Kapitel führen die Titel: Waldgesang, Sonne des Schlaflosen und Treue. Der Text des Gedichtes Waldgesang sei ohne Verfasserangabe mit dem Titel Mangel im Frauenta- schenbuch für das Jahr 1820, das von Friedrich de la Motte Fouqué herausge- geben worden sei, gedruckt worden und habe der Droste als Vorlage für ihre Komposition gedient. Im Manuskript der Droste erhalte das Lied den Titel Waldgesang, der jedoch inhaltlich nur zur ersten Strophe passe. Entstanden sei die Vertonung vermutlich im Zusammenhang mit den anderen Vokalquar- tetten und dem Terzett, deren Texte ebenfalls aus dem gleichen Jahrgang des Frauentaschenbuches stammten. Als Entstehungszeit der Komposition seien die Jahre 1820-1825 möglich, behauptet Kansteiner. (Vgl.: Woesler, HKA, Bd. XIII, 2, S. 611) Das Gedicht Mangel/Waldgesang besteht aus vier sechszeiligen reimenden Strophen. Der Endreim dieses Gedichtes und die Kadenzen sehen folgenderma- ßen aus: aabccb; 4m:4m:3kl:4m:4m:3kl. Das Metrum des Gedichtes ist ein vier- hebiger Jambus, dessen Rhythmus sprachlich deutlich ausgeprägt ist. Die Zeilen 1, 2, 4, 5 realisieren vier Hebungen, dagegen führen sprachlich die dritte und sechste Zeile 3 Hebungen aus. Um den rhythmischen Ablauf dieser beiden Verszeilen abzurunden, muss beim Vortrag des Gedichtes ein vierter, pausierter Takt hinzugefügt werden. Dieser vierte pausierte Takt...

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