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Die poena naturalis im Straf- und Strafzumessungsrecht

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Sabrina Sprotte

Seit jeher ist die straftheoretische Fundierung des poena naturalis-Gedankens innerhalb des Strafrechtsystems umstritten. Bereits prima facie scheint eine zufällige, nicht durch eine übergeordnete Instanz verhängte Strafe nur schwerlich geeignet zu sein, die Funktion einer staatlichen Strafe zu erfüllen. Gleichwohl hat dieses Phänomen durch § 60 StGB Einzug in das geltende Strafrechtsystem gefunden. Im Fokus der Arbeit steht die Frage, ob die poena naturalis einen legitimen Stellenwert innerhalb des Strafrechts, insbesondere als Absehensgrund von Strafe im Rahmen von § 60 StGB hat bzw. haben kann, was nach ausführlicher Untersuchung verneint wird. Die poena naturalis ist und bleibt eine systemfremde Figur, welche keinerlei Daseinsberechtigung im geltenden Strafrecht hat.

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D. Ausblick: Die allgemeine Problematik der Berücksichtigung individueller Besonderheiten des Täters bei der konkreten Verwirklichung der verdienten Strafe

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Am Ende dieser Arbeit geht es abschließend um die Klärung der Frage, ob eine etwaige Berücksichtigung von individuellen Besonderheiten der Person, die eine bestimmte – abstrakt gesehen gerechte – Bestrafung trifft, innerhalb der konkre- ten Verwirklichung angezeigt ist.437 Vorab soll zur Klarstellung noch einmal auf die obigen Erkenntnisse verwiesen werden: In Bezug auf eine mögliche Berück- sichtigungsfähigkeit von Täterschädigungen oder -beeinträchtigungen auf der Ebene der Realisierung des verdienten Strafübels ist es vollkommen unerheb- lich, ob die Schädigung oder Beeinträchtigung bei Begehung der Tat auftritt oder aufgrund sonstiger Umstände bereits vor Tatbegehung vorhanden war oder erst nach ihr entsteht. Denn schwere Täterschädigungen oder -beeinträchtigungen, die meist in Form von pathologischen Zuständen vorliegen, sind – und das ist wichtig: gleichgültig woraus sie resultieren – sachlich bei der Realisierung der verdienten Strafe gleich zu behandeln bzw. zu bewerten. Allein die Schädigung bzw. deren Auswirkung auf den Täter kann für eine eventuelle Berücksichtigung bedeutsam sein, aber nicht wann oder wie diese Schädigung oder Beeinträchti- gung dem Normbrüchigen widerfahren ist. Ein Privileg bei erlittenen Folgen der eigenen Tat lässt sich rechtlich – wie bewiesen – nicht halten. So ist der Dieb, wel- cher aus Unachtsamkeit von dem Balkon der Einbruchswohnung fällt und auf- grund der schweren Verletzungen querschnittsgelähmt ist, rechtlich – in Bezug auf die Umsetzung der verhängten Strafe – ebenso zu behandeln, wie derjenige, der zwar geschickter klettern kann, aber später von...

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