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Psychologie – Genese einer Wissenschaft

Eine problemgeschichtliche Analyse zum Diskurs des Unbewussten

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Ingmar Zalewski

Die Psychologie ist eine junge Wissenschaft. Ihre Geschichte beginnt erst 1879, als Wilhelm Wundt das erste experimentalpsychologische Labor der Welt in Leipzig eröffnet. Doch warum ist die Erzählung der Institutsgründung so populär? Ist nicht erst ein eigenständiges wissenschaftstheoretisches Fundament für die Geburt einer Disziplin konstitutiv? Das vorliegende Buch entwickelt alternative Sichtweisen auf die Genese der Psychologie und greift dabei nicht auf die herkömmliche Erzählung des paradigmatischen Bruchs zurück. Am Beispiel der Debatten zum Unbewussten werden Traditionslinien aufgezeigt, die in Wundts Gesamtkonzeption der Psychologie zusammenlaufen. Ihre Etablierung wird damit nicht primär mit dessen experimentalpsychologischer Pionierarbeit begründet. Stattdessen wird Wundts vermittelnde Position zwischen Geistes- und Naturwissenschaften herausgestellt und für die gegenwärtige Fachdiskussion neu aufbereitet.

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Vorwort - Zur Geburt der Psychologie aus dem Geist der Philosophie

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7 Vorwort Zur Geburt der Psychologie aus dem Geist der Philosophie Detlef Gaus Vor etwa einem Jahrhundert begab sich die Geburt einer neuen Wissen- schaft. Die Psychologie entwand sich dem mütterlichen Schoß der Phi- losophie, in dem sie über mehr als zwei Jahrtausende geborgen gewesen war. Nicht mehr als rein logische Selbstbespiegelung, als Introspektion des denkenden Selbst, sondern als experimentell arbeitende exakte Na- turwissenschaft wollte die neue Disziplin der alten Mutter nun Konkur- renz machen bei der Frage nach dem Wesen des Menschen. So blieb zwar der Gegenstand des Nachdenkens durchaus ein ähnlicher, die The- orien, Modelle und Methoden wandelten sich aber grundlegend. Genau dieser Konstitutionsphase der Psychologie als akademischer Disziplin wendet sich Ingmar Zalewski mit der hier vorliegenden Arbeit zu. Als originell und bemerkenswert ist dabei sein Herangehen hervor- zuheben, diese eben erzählte Gründungsgeschichte als Gründungsmy- thos zu hinterfragen. Nur wenige im akademischen Betrieb weit Etab- liertere als Zalewski, insbesondere Gerd Jüttemann (2006, 2013) und Jo- chen Fahrenberg (2011), haben es bisher unternommen, diese Erzählung eines paradigmatischen Bruchs von einem Moment zum anderen einer Revision zu unterziehen. Wie auch diese, stellt der hier vorgelegte Band in Frage, dass die wissenschaftliche Psychologie gewissermaßen mit ei- nem Paukenschlag entstand, als Wilhelm Wundt mit den ersten Ergeb- nissen seiner experimentalpsychologischen Laboruntersuchungen an die Öffentlichkeit trat. Stimmt es aber wirklich, dass hier harsche Abkehr- bewegungen zwischen einer Mutter und ihrer Tochter zu konstatieren 8 sind, welche sich wechselseitig neidisch beobachteten, zuerst die jüngere die ältere,...

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