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Psychologie – Genese einer Wissenschaft

Eine problemgeschichtliche Analyse zum Diskurs des Unbewussten

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Ingmar Zalewski

Die Psychologie ist eine junge Wissenschaft. Ihre Geschichte beginnt erst 1879, als Wilhelm Wundt das erste experimentalpsychologische Labor der Welt in Leipzig eröffnet. Doch warum ist die Erzählung der Institutsgründung so populär? Ist nicht erst ein eigenständiges wissenschaftstheoretisches Fundament für die Geburt einer Disziplin konstitutiv? Das vorliegende Buch entwickelt alternative Sichtweisen auf die Genese der Psychologie und greift dabei nicht auf die herkömmliche Erzählung des paradigmatischen Bruchs zurück. Am Beispiel der Debatten zum Unbewussten werden Traditionslinien aufgezeigt, die in Wundts Gesamtkonzeption der Psychologie zusammenlaufen. Ihre Etablierung wird damit nicht primär mit dessen experimentalpsychologischer Pionierarbeit begründet. Stattdessen wird Wundts vermittelnde Position zwischen Geistes- und Naturwissenschaften herausgestellt und für die gegenwärtige Fachdiskussion neu aufbereitet.

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Einleitung

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Inhaltliche Problemstellung „Die Psychologie hat eine lange Vergangenheit, doch nur eine kurze Ge- schichte“ (Ebbinghaus, 1908, S. 1). Mit diesem vielleicht berühmtesten Satz aus der Geschichtsschreibung der Psychologie verweist Hermann Ebbinghaus [1850–1909], einer der ersten großen Psychologen Deutsch- lands, darauf, dass die Psychologie eine bemerkenswert lange Prähisto- rie von über 2000 Jahren hat. Ihren etymologischen Ursprung zurückver- folgend stellt sich die Psychologie – eine griechische Wortschöpfung aus psyche (Seele) und logos (Lehre) – als Seelenlehre oder auch Seelenkun- de dar. Tatsächlich findet diese „lange Vergangenheit“, von der Ebbin- ghaus spricht, ihren Anfang bereits bei Aristoteles [384–322 v.Chr.], der mit Über die Seele (n.d./1924) die Psychologie als Seelenkunde – als ein unselbstständiges Teilgebiet innerhalb der Philosophie – begründet (zur Vertiefung Eckhardt, 2010; Pongratz, 1967/1984; Hehlmann, 1963). Die Schreibung ihrer „kurzen Geschichte“ als selbstständige Diszip- lin im System der Wissenschaften findet hingegen erst im Ausgang des 19. Jahrhunderts ihren Anfang. Diese problemgeschichtliche Analyse behandelt ausschließlich einen solchen unmittelbaren Entstehungskon- text der Psychologie und klammert damit weite Teile ihrer Prähistorie aus. Der Bezugsrahmen dieser Genese einer Wissenschaft ist zeitlich im Wesentlichen auf das 19. Jahrhundert1 und örtlich auf die Entwicklun- gen in Deutschland festgelegt. Den übergeordneten Gegenstand der Analyse bildet die Genese, der Verselbstständigungsprozess der Psycho- logie zur eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin. Für das weitere Vorgehen lässt sich somit folgende grundlegende Fragestellung aufstel- len: Wie ist ein Prozess der Genese zu charakterisieren, an dessen Ende sich die Psychologie als selbstständige...

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