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Psychologie – Genese einer Wissenschaft

Eine problemgeschichtliche Analyse zum Diskurs des Unbewussten

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Ingmar Zalewski

Die Psychologie ist eine junge Wissenschaft. Ihre Geschichte beginnt erst 1879, als Wilhelm Wundt das erste experimentalpsychologische Labor der Welt in Leipzig eröffnet. Doch warum ist die Erzählung der Institutsgründung so populär? Ist nicht erst ein eigenständiges wissenschaftstheoretisches Fundament für die Geburt einer Disziplin konstitutiv? Das vorliegende Buch entwickelt alternative Sichtweisen auf die Genese der Psychologie und greift dabei nicht auf die herkömmliche Erzählung des paradigmatischen Bruchs zurück. Am Beispiel der Debatten zum Unbewussten werden Traditionslinien aufgezeigt, die in Wundts Gesamtkonzeption der Psychologie zusammenlaufen. Ihre Etablierung wird damit nicht primär mit dessen experimentalpsychologischer Pionierarbeit begründet. Stattdessen wird Wundts vermittelnde Position zwischen Geistes- und Naturwissenschaften herausgestellt und für die gegenwärtige Fachdiskussion neu aufbereitet.

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II Traditionslinie des kognitivenUnbewussten

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47 II Traditionslinie des kognitiven Unbewussten 3 Herbart 3.1. Metatheoretische Einordnung Johann Friedrich Herbart [1776–1841] füllt 1809 die nach Kants Able- ben 1804 entstandene Vakanz am Lehrstuhl für Philosophie in Königs- berg wieder aus. Der Eintrag des Oldenburgers in die Geschichtsbücher vorwissenschaftlicher Psychologie geht vor allem auf sein Lehrbuch zur Psychologie (1816/1850) und Psychologie als Wissenschaft: Neu ge- gründet auf Erfahrung, Metaphysik und Mathematik (1824) zurück. Auch seine kürzere Abhandlung Über die Möglichkeit und Nothwendig- keit, Mathematik auf Psychologie anzuwenden (1822) ist hier zu nennen (Eckhardt, 2010, S. 46). Doch Herbart lässt sich kaum eindeutig einer einzigen Disziplin im System der Wissenschaften zuordnen. Herbart gilt sogar viel mehr als Klassiker und Gründungsvater wissenschaftlicher Pädagogik13, als dass sich ähnliches über ihn in Bezug auf die Psychologie behaupten ließe. Festzuhalten ist allerdings, dass Herbart in Deutschland den ersten ernsthaften Versuch einer Widerlegung der Psychologiekritik Kants un- ternimmt und dabei auch erstmals die Gesetzmäßigkeiten des psychi- schen Lebens auf naturwissenschaftliche Herangehensweise zu erfassen sucht (Kaiser-el-Safti, 2004, S. 61 ff.). „Die Psychologie hat einige Aehnlichkeit mit der Physiologie“, stellt Herbart (1824, S. V) fest und macht es sich zur Aufgabe, „eine Seelenforschung herbeyzuführen, wel- 13 Zu Herbarts wichtigsten Werken gehört zweifellos die Allgemeine Pädagogik aus dem Zweck der Erziehung abgeleitet (1806/1965) – eine revolutionäre Schrift, die dadurch zum Novum avanciert, dass sie den Zweck der Erziehung erstmals nicht mehr aus der Ethik, sondern aus der Pädagogik...

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