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Gehen oder leiden … und wer war jetzt schuld?

Attributionen in konflikthaften Partnerschaften im Vergleich zu beendeten Partnerschaften

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Kerstin Zühlke-Kluthke

Woran liegt es aus der Sicht selbst Betroffener, dass bei langjährig zusammenlebenden Paaren die einen sich trennen, die anderen konflikthaft zusammenleben? Auf der Basis problemzentrierter Einzelinterviews mit jeweils beiden Partnern werden Attributionsinhalte, Attributionsverhalten und Attributionsfunktionen ermittelt. Es werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei konflikthaften Paaren und getrennten Paaren gefunden. Methodisch interessant wird eine inhaltsanalytische Vorgehensweise gekoppelt mit attributionstheoretischer Auswertung vor dem Hintergrund einer interpretativen Auswertung der Lebens- und Partnergeschichten. Es werden 12 Schwerpunkt-Themenfelder gefunden und Asymmetrien und Signalthemen für Trennung identifiziert. Ein Attributionsverhalten, was überwiegend an den Anderen zuschreibt, kann als Indikator für den Zufriedenheitsgrad von Partnerschaft und damit als ein wesentlicher Prädiktionsfaktor von Trennung ermittelt werden.

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3. Problemfeld Paar als Untersuchungsgegenstand

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3.1 Strukturwandel von Ehe und Familie Die Familienstatistik zeigt seit den 60er Jahren hinsichtlich der Heirats- und Scheidungszahlen den Trend steigender Scheidungsraten (Hill & Kopp, 2006). Dies kann allerdings nicht als ein Indiz dafür gewertet werden, dass Ehe und Familie obsolet geworden sind. Es zeigt sich vielmehr dadurch ein Bedeutungs- wandel als Resultat der hohen Ansprüche (vgl. Nave-Herz, 2002 b zum zeitge- schichtlichen Bedeutungswandel von Ehe und Familie in der BRD). Aufgrund etlicher sozialer Wandlungsprozesse kristallisierte sich zunächst die bürgerliche Kernfamilie heraus, die dann jedoch seit den 60ern viele neue Familienformen hervorbrachte. Der Verbindlichkeitscharakter der Familie wird vermutlich auch in Zukunft weiter aufweichen. Auf eine Pluralität von Familienformen weist auch Schneider (2002) hin, der eine Zunahme der Scheidungshäufigkeit auf fol- gende Indikatoren zurückführt: Rückgang der Geburten, gestiegene Mobilität der Familien, zunehmende Berufstätigkeit der Frauen, ökonomische Unsicher- heit, Reduktion von Zeit, Stresserhöhung. Die Familie wird weiterhin Zukunft haben, es ist nur fraglich welche. So ist heute z. B. die geringere Kinderzahl pro Familie kein Indikator für einen abgenommenen Kinderwunsch, sondern auf einen Funktionswandel von Kindern zurückzuführen. Heutzutage werden keine utilitaristischen, sondern überwiegend immaterielle Werte mit Kindern verbun- den. Mit der Betonung kindlicher Ansprüche auf eigene Autonomie wandelt sich das Eltern-Kind-Verhältnis zu einem anspruchsvolleren Beziehungsverhältnis. Dies äußert sich sowohl in einer stärkeren Kindzentrierung als auch in einer Schwächung des Paarsystems. Schütze (1988) hat diese These anhand entspre- chender Daten belegt. Dennoch...

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