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Die Rechtsproblematik multipler Regulierungsstrukturen in der Doping-Bekämpfung

Zur Notwendigkeit und Möglichkeit einer globalen öffentlich-rechtlichen Kontrolle sozialmächtiger Sportverbände

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Henning Hildebrandt

Die Problematik multipler Regulierungsstrukturen tritt immer dort zutage, wo staatliche Regelungskompetenzen und zwischenstaatliche oder privatrechtliche Regelungen koexistieren und in Konflikt geraten. Besondere Brisanz erfährt dieses Konfliktpotenzial aufgrund der Internationalisierung der Verbandsstrukturen im professionellen Sport. Der Autor befasst sich mit jenen Regulierungsstrukturen im Sportverbandswesen, die über die einfachen Regeln zu Sieg oder Niederlage, Abseits oder Foulspiel hinausgehen und den einzelnen Sportler in seiner Berufsausübung möglicherweise ein Leben lang treffen können. Nachdem zunächst die Notwendigkeit einer öffentlich-rechtlichen Kontrolle von Sportverbänden erörtert wird, stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten einer solchen. Denn dort, wo staatliches Recht an territorialen Grenzen endet, beginnt erst die Internationalität des Sports. Bedarf es dann nicht auch einer wirksamen internationalen Aufsicht über die hierarchische Struktur des Sports? Mit diesem Thema beschäftigt sich die Arbeit in rechtswissenschaftlicher Hinsicht und wagt einen Blick auf eine Staatengemeinschaft, die zum Schutze des Sports subsidiär und zum Schutze des einzelnen Sportlers verantwortungsbewusst und konsequent handeln könnte.

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A. Erstes Kapitel: Der Sport im Spannungsfeld zwischen privatrechtlicher und öffentlich- rechtlicher Regulierung

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34 A. Erstes Kapitel: Der Sport im Spannungsfeld zwischen privatrechtlicher und öffentlich- rechtlicher Regulierung I. Begriffsbestimmung 1. Sport und Recht Der Begriff des Sports leitet sich aus dem englischen sports ab und bezeichnete im 16. Jahrhundert Freizeitbeschäftigungen des englischen Adels.9 Den damali- gen Veranstaltungen wie auch den heutigen immanent sind Wesensmerkmale wie Bewegung, Zweckfreiheit, Organisation, aber auch Leistungsvergleich, Wettkampf und Chancengleichheit.10 Das Verwirklichen dieser Merkmale erfor- dert einheitliche sportliche Regeln, deren Erlass, Durchsetzung und Aufhebung in die Verantwortung nationaler und internationaler Verbände, also juristischer Personen des Privatrechts, fällt. Aus Sicht von Soziologen und Ethnologen, die einen pluralistischen Rechtsbegriff vertreten, also auch nicht-staatlich gesetztes Recht als Recht verstehen, ist die Beziehung von Sport und Recht von tradierter Wesensimmanenz.11 Aus Sicht der Rechtswissenschaft, der ein monistischer Rechtsbegriff zu- grunde liegt, nämlich einzig – unmittelbar oder mittelbar – staatlich legitimiertes Recht als Recht zu verstehen, stellen andere Ordnungssysteme mit eigenem Ent- scheidungsmaßstab wie Sportvereine und Sportgerichte kein Rechtssystem in diesem Sinne dar.12 Ein scheinbares Nebeneinander von Sport und Recht im engeren Sinne ver- anlasste zu der Aussage, der Sport bewege sich in einem rechtsfreien Raum.13 Dass es sich nicht bloß um beziehungslose Subsysteme innerhalb der Gesell- schaft handelt, zeigt jedoch die Vielzahl nationaler14 sowie supranationaler15 Ge- richtsurteile zur Kontrolle sportverbandlicher Entscheidungen und Satzungen. 9 Vgl. Bauer, Martin, Kultur und Sport im Bundesverfassungsrecht, 1999, S. 245 ff. 10 Vgl. Pfister, Bernhard/Steiner, Udo, Sportrecht A-Z, 1995, S. 185 f. 11 Vgl. Nolte, Martin, Sport und Recht, 2004, S. 17. 12 Vgl. R...

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