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Die Rechtsproblematik multipler Regulierungsstrukturen in der Doping-Bekämpfung

Zur Notwendigkeit und Möglichkeit einer globalen öffentlich-rechtlichen Kontrolle sozialmächtiger Sportverbände

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Henning Hildebrandt

Die Problematik multipler Regulierungsstrukturen tritt immer dort zutage, wo staatliche Regelungskompetenzen und zwischenstaatliche oder privatrechtliche Regelungen koexistieren und in Konflikt geraten. Besondere Brisanz erfährt dieses Konfliktpotenzial aufgrund der Internationalisierung der Verbandsstrukturen im professionellen Sport. Der Autor befasst sich mit jenen Regulierungsstrukturen im Sportverbandswesen, die über die einfachen Regeln zu Sieg oder Niederlage, Abseits oder Foulspiel hinausgehen und den einzelnen Sportler in seiner Berufsausübung möglicherweise ein Leben lang treffen können. Nachdem zunächst die Notwendigkeit einer öffentlich-rechtlichen Kontrolle von Sportverbänden erörtert wird, stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten einer solchen. Denn dort, wo staatliches Recht an territorialen Grenzen endet, beginnt erst die Internationalität des Sports. Bedarf es dann nicht auch einer wirksamen internationalen Aufsicht über die hierarchische Struktur des Sports? Mit diesem Thema beschäftigt sich die Arbeit in rechtswissenschaftlicher Hinsicht und wagt einen Blick auf eine Staatengemeinschaft, die zum Schutze des Sports subsidiär und zum Schutze des einzelnen Sportlers verantwortungsbewusst und konsequent handeln könnte.

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B. Zweites Kapitel: Kontrollmöglichkeiten der anationalen Regulierungsstruktur des Sportverbandsrechts

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91 B. Zweites Kapitel: Kontrollmöglichkeiten der anationalen Regulierungsstruktur des Sportverbandsrechts Die Frage, die sich vor diesem Hintergrund aufdrängt, lautet: Inwieweit ist zum Schutze des Sportlers und des Sports eine öffentlich-rechtliche Regelung gegen Doping im Sport unter Berücksichtigung der bestehenden möglichen Kontrollen Internationaler Sportverbände erforderlich? Nachdem die Gesamtheit der Regelungen des internationalen Sports ein funktional differenziertes anationales Regulierungssystem darstellt, impliziert die Fragestellung nach der Notwendigkeit einer globalen öffentlich-rechtlichen Kontrolle im Sport die Frage nach den Kontrollmöglichkeiten über sozialmäch- tige, insbesondere internationale Sportverbände. Denn diese konzentrieren auf- grund ihrer überragenden Stellung innerhalb dieser staatsfernen anationalen Re- gelungsstruktur Regelsetzungs-, -anwendungs- und durchsetzungsgewalt,273 so dass die Erörterung der Mittel zur Kontrolle Internationaler Sportverbände den Ausgangspunkt der weiteren Untersuchung darstellt. I. Rechtliche Qualifikation Internationaler Sportverbände Im Völkerrecht werden Internationale Sportverbände zu der Gruppe der interna- tional non-governmental organizations274 (NGOs) gezählt.275 NGOs sind interna- tional tätige Organisationen, die im Gegensatz zu zwischenstaatlichen Organisa- tionen nicht auf völkerrechtlichen Abkommen beruhen, sondern nach nationa- lem Recht gegründet werden, vorwiegend aus nationalen Vereinigungen beste- hen und einen grenzüberschreitenden Wirkungskreis haben.276 273 Vgl. zum Fazit der anationalen Regulierung oben unter A., IV. 274 Deutsche Übersetzung: Nichtregierungs-Organisationen. 275 Vgl. Stein, Torsten/von Buttlar, Christian, Völkerrecht, 11. Aufl., 2005, Rn. 491; Hem- pel, Michael, Die Völkerrechtssubjektivität internationaler nichtstaatlicher Organisatio- nen, 1999, S. 46. 276 Siehe u.a. Herdegen, Matthias, Völkerrecht, 6. Aufl., 2007, S. 10; Stein/von Buttlar, a.a.O. (Fn.275), Rn. 491....

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