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Ethische Aspekte in der Forschung mit Kindern

Perspektiven der Gesundheitsfachberufe

Edited By Svenja Ringmann and Julia Siegmüller

Im Kontext der Akademisierung nimmt Forschung in den Fächern Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie rapide zu. Ein vordergründiges Ziel besteht im Beleg der Wirksamkeit therapeutischen Handelns. In diesem Sammelband liegt der Fokus auf ethischen Fragen in der disziplinären Forschung mit Kindern. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen (Logopädie, Sprachwissenschaft, Ergotherapie, Physiotherapie, Medizinethik, Philosophie, Theologie) gehen der Frage nach, was Kinder zu einer besonders schutzbedürftigen Gruppe macht und wie die Rechte von Kindern in der disziplinären Forschung in den Gesundheitsfachberufen gewahrt werden können.

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Persönlichkeit oder Störungsbild – das Kinderbild in der Sprachtherapie. Julia Siegmüller / Monika Rausch

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91 Persönlichkeit oder Störungsbild – das Kinderbild in der Sprachtherapie Julia Siegmüller / Monika Rausch 1 Einführung Sprache als artspezifische Errungenschaft des Menschen wird nicht von allen Kindern störungsfrei erworben. Die Gesellschaft hat im Gesundheitswesen und im Bildungssystem Unterstützungssysteme entwickelt, mit denen Sprachent- wicklungsauffälligkeiten aufgefangen, ausgeglichen oder behoben werden sollen. Jede Intervention mit Kindern wirft aber die Frage nach der ethischen Rechtfer- tigung des Handelns auf, die mit dem Bild vom Kindsein eng verknüpft ist. Mit dem Begriff „Kinderbild“ bzw. „Bild vom Kind“ ist im Rahmen dieses Beitrags die Grundannahme zur kindlichern Entwicklung gemeint, die unter der jeweili- gen Intervention liegt, sowie die Rolle, die dem Kind in seiner Entwicklung und in den Interventionen zugedacht wird. Diese sollte nachhaltig die Art und Weise sowie die Zielstellung der Maßnahme bestimmen. Im Gesundheitswesen dominiert gerade auch vor dem Hintergrund erfolgrei- cher technologischer und genetischer Weiterentwicklungen ein Bild von Krank- heit und Funktionsstörungen, das die Biologie des Menschen fokussiert und von Person und Umwelt abstrahiert. Wird diese Perspektive unreflektiert in die Lo- gopädie/Sprachtherapie übernommen, besteht die Gefahr, dass Kinderpatienten auf ihr Störungsbild reduziert werden. Dies spiegelt sich auch in der therapeuti- schen Perspektive wider: Die funktionelle Verbesserung überwiegt im Fokus der Sprachtherapeuten, das Gesamtwohl des Kindes rückt in den Hintergrund. Im vorliegenden Beitrag werden im zweiten Abschnitt einige deutsche Therapiean- sätze vorgestellt. Wir beleuchten die Frage, welches Bild dort vermittelt wird. Eine der ausdifferenzierteren Positionen zu der Frage, wie Kinder...

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