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Ethische Aspekte in der Forschung mit Kindern

Perspektiven der Gesundheitsfachberufe

Edited By Svenja Ringmann and Julia Siegmüller

Im Kontext der Akademisierung nimmt Forschung in den Fächern Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie rapide zu. Ein vordergründiges Ziel besteht im Beleg der Wirksamkeit therapeutischen Handelns. In diesem Sammelband liegt der Fokus auf ethischen Fragen in der disziplinären Forschung mit Kindern. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen (Logopädie, Sprachwissenschaft, Ergotherapie, Physiotherapie, Medizinethik, Philosophie, Theologie) gehen der Frage nach, was Kinder zu einer besonders schutzbedürftigen Gruppe macht und wie die Rechte von Kindern in der disziplinären Forschung in den Gesundheitsfachberufen gewahrt werden können.

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Normierung und Normalisierung von Kindheit.Überlegungen zur late talker-Problematik. Claudia Peter / Patricia Pomnitz

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159 Normierung und Normalisierung von Kindheit. Überlegungen zur late talker-Problematik Claudia Peter1 / Patricia Pomnitz Abstract In diesem Beitrag werden mithilfe des diskursanalytischen Konzepts des Normalismus von Jürgen Link verschieden normierende Normalisierungstendenzen voneinander unterschieden und auf das moderne Konzept der (Entwicklungs-)Kindheit angewendet. Für die Diskussion, wie und warum auch im weiten Feld der therapeutischen Berufe heute kindlichen Entwicklungsabweichungen, -ver- zögerungen oder -störungen normierend oder/und normalisierend begegnet wird, wird im zweiten Teil die Sprachtherapie von sog. late talkern als Beispiel herangezogen und mit dem Normalismus- Konzept in Beziehung gesetzt. Normalismus – ein Dispositiv der westlichen Moderne In seiner umfangreich angelegten Studie hat der Literaturwissenschaftler Jürgen Link (2009) Normalismus als ein Dispositiv bestimmt, welches auf die westliche Moderne beschränkt ist und sich als historisch emergentes Gebilde seit dem 18. Jahrhundert herausgebildet hat. Bedingt durch bestimmte gesellschaftliche Konstellationen und Voraussetzungen, wie u.a. das Aufkommen einer deskripti- ven und analytischen Statistik, die mit einer massenhaften Verdatung von Mess- werten wissenschaftliche wie (bevölkerungs)politische Aufgaben gleichermaßen zu erfüllen hatte, durch eine neue Art des (staatlichen) Regierens sowie durch wissenschaftliche und technische Entdeckungen und Neuerungen wurden einer- seits eine Dynamik der fortlaufenden Wissensproduktion und andererseits eine Haltung, die auf Fortschritt, Wandel und Wachstum ausgerichtet ist, in Gang ge- setzt. Diese irritierten die (früh)neuzeitlichen Ordnungen in ihrer Stabilität und Konstanz nachhaltig und lösten sie letztlich ab. Nach Link etablierte sich erst in- nerhalb dieser Entwicklungsdynamik, in der mit dem statistischen Wissen ein neuer Wissenstypus...

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