Show Less

Ethische Aspekte in der Forschung mit Kindern

Perspektiven der Gesundheitsfachberufe

Edited By Svenja Ringmann and Julia Siegmüller

Im Kontext der Akademisierung nimmt Forschung in den Fächern Logopädie, Ergotherapie und Physiotherapie rapide zu. Ein vordergründiges Ziel besteht im Beleg der Wirksamkeit therapeutischen Handelns. In diesem Sammelband liegt der Fokus auf ethischen Fragen in der disziplinären Forschung mit Kindern. Wissenschaftler verschiedener Disziplinen (Logopädie, Sprachwissenschaft, Ergotherapie, Physiotherapie, Medizinethik, Philosophie, Theologie) gehen der Frage nach, was Kinder zu einer besonders schutzbedürftigen Gruppe macht und wie die Rechte von Kindern in der disziplinären Forschung in den Gesundheitsfachberufen gewahrt werden können.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Ethische Aspekte des Begriffs Risikokind:zu Screening-Verfahren bei Kindern. Henning Rosenkötter

Extract

181 Ethische Aspekte des Begriffs Risikokind: zu Screening-Verfahren bei Kindern Henning Rosenkötter Entwicklungsdiagnostik bei Kindern soll die Dynamik der vielfältigen Entwick- lungsprozesse des Kindes darstellen. „Die Möglichkeit durch bestimmte Maß- nahmen eine Entwicklungsstörung oder Erkrankung zu vermeiden ist an die Existenz von wissenschaftlich gesicherten Hypothesen, Prädiktoren oder Risiko- faktoren gebunden“ (Allhoff, 1994). Der Wunsch, Risiken frühzeitig zu erken- nen, vorzubeugen statt zu heilen und durch Früherkennung Leiden zu lindern und knappe finanzielle Ressourcen zu schonen, sind allgemein anerkannte Prin- zipien medizinischen und pädagogischen Handelns geworden. Aber die Ermittlung von Kindern mit erhöhten Entwicklungsrisiken bringt neben den Chancen für eine spezifische Entwicklungstherapie auch ethische Ri- siken mit sich. Beispielsweise könnte es allein durch die Benutzung des Begriffs Risikokind und bei der Durchführung von Screenings zu einem ethischen Di- lemma zwischen dem berechtigten Wunsch, Schaden von Risikokindern abzu- wenden einerseits und der potentiellen Separation und Verletzung falsch positiv oder falsch negativ getesteter Kinder andererseits kommen. Bei Fortschritten in der medizinischen und psychologischen Machbarkeit könnte die Öffentlichkeit in einer Erwartungshaltung gegenüber wissenschaftlichen Fortschritten und nachweislichem Nutzen gar in eine ausufernde „Screeningitis“ (Shickle & Chad- wick, 1994) geführt werden. Ausweg, Kompromiss oder Richtlinie für moralisch zu rechtfertigendes Handeln sollten moralische Anforderungen an Testentwickler und Testanwender sein. Zu prüfen bliebe dann auch, ob angesichts der unge- planten Folgen eines Screenings (z. B. bei Handlungsempfehlungen) das Recht auf Selbstbestimmung eingeschränkt sein kann. Risikokind Als Risikokind oder Problemkind werden...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.