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Das Verblassen eines Makels

Das Nichtehelichenrecht der DDR als Teil der gesamtdeutschen Entwicklung

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Bernhard Klose

Die bloße Tatsache der nichtehelichen Geburt erwies sich über Jahrhunderte als ein rechtlicher und praktischer Nachteil für die Mutter und ihr Kind. Durch die zum 1. Januar 1900 Gesetz gewordenen Regelungen des BGB wurde die Situation der nichtehelichen Kinder kaum verbessert. Dabei blieb es im Wesentlichen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Danach begann in den unterschiedlichen Gesellschaftssystemen in beiden Teilen Deutschlands, mit verschiedenen Zielsetzungen und Geschwindigkeiten, ein ernsthaftes und letztendlich erst nach der Wiedervereinigung erfolgreiches Ringen um die rechtliche Gleichstellung der nichtehelichen Kinder. Diesen von einer einheitlichen Rechtslage ausgehenden und dann in den beiden gegensätzlichen Gesellschaftssystemen getrennt verlaufenden Weg zur rechtlichen und tatsächlichen Gleichstellung der nichtehelichen Kinder, der letztlich erst nach der Wiedervereinigung abgeschlossen werden konnte, nachzuzeichnen, ist Ziel dieser Arbeit.

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D. Das Nichtehelichenrecht in der SBZ/DDR

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Die rechtliche Behandlung der nichtehelichen Kinder nach dem Zweiten Welt- krieg begann auch in der SBZ und – nach der Staatsgründung – in der DDR nicht im luftleeren Raum. Sie knüpfte vielmehr an Reformüberlegungen der Weimarer Republik und die Gesetzesänderungen in der Zeit des Nationalsozialismus an. Die konkreten Themen bestimmten zunächst aber die Folgen des Krieges und die gewünschte, sich „immer stärker manifestierende Verankerung“ der „neuen Gesellschaftsordnung“. Wie die Entwicklung verlief, welche bereits gelegten Entwicklungsstränge weiterverfolgt, welche tradierten Wege aufgegeben und welche neuen gesucht wurden, ist Gegenstand der folgenden Ausführungen. I. Allgemeine Einführung Von Beginn an wurde das Recht in der SBZ/DDR in einem bisher unbekannten Umfang auch als Mittel zur Förderung der gesellschaftlichen Entwicklung ange- sehen. So war auch das Familienrecht nicht mehr auf seine Rolle bei der Rege- lung privatrechtlicher Verhältnisse beschränkt, sondern wurde zudem auch als ein Instrument des öffentlichen Rechts benutzt. Der Schutz der Ehe stand dabei ebenso außer Frage wie das Erfordernis eines eigenständigen Familienrechts.456 Als Folge der so neu definierten Aufgabenzuweisung ist dem Einfluss des Rechts für die Bewertung der Entwicklung der tatsächlichen Lebenssituationen der nichtehelichen Kinder ebenso Beachtung zu schenken wie ihren sozialen Ver- hältnissen. Dies gilt umso mehr, als eine „komplexe rechtliche Einflussnahme“ auf die Familie und damit auch auf die zunächst nicht gewünschte Lebensform von Partnerschaften mit nichtehelichen Kindern gerade gewollt war.457 456 Dazu: Klose, Ehescheidung, S. 108; vgl. Fischer-Langosch, Die Entstehungsgeschichte, S....

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