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Das Verblassen eines Makels

Das Nichtehelichenrecht der DDR als Teil der gesamtdeutschen Entwicklung

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Bernhard Klose

Die bloße Tatsache der nichtehelichen Geburt erwies sich über Jahrhunderte als ein rechtlicher und praktischer Nachteil für die Mutter und ihr Kind. Durch die zum 1. Januar 1900 Gesetz gewordenen Regelungen des BGB wurde die Situation der nichtehelichen Kinder kaum verbessert. Dabei blieb es im Wesentlichen bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Danach begann in den unterschiedlichen Gesellschaftssystemen in beiden Teilen Deutschlands, mit verschiedenen Zielsetzungen und Geschwindigkeiten, ein ernsthaftes und letztendlich erst nach der Wiedervereinigung erfolgreiches Ringen um die rechtliche Gleichstellung der nichtehelichen Kinder. Diesen von einer einheitlichen Rechtslage ausgehenden und dann in den beiden gegensätzlichen Gesellschaftssystemen getrennt verlaufenden Weg zur rechtlichen und tatsächlichen Gleichstellung der nichtehelichen Kinder, der letztlich erst nach der Wiedervereinigung abgeschlossen werden konnte, nachzuzeichnen, ist Ziel dieser Arbeit.

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„Rechtsnormen sind immer ein Stück normativ verfestigter Politik (…) Rechtsnormen be- werten immer bestimmte Lebenssachverhalte (‚Tatbestände‘) nach den weltanschaulichen (‚ideologischen‘) Wertmaßstäben der Normsetzer. Sie enthalten in der verbindlichen Verknüp- fung von Tatbeständen mit sanktionierten Rechtsfolgen Weisungen und Werturteile dazu, wie die Bürger handeln sollen. Jede Rechtsnorm enthält ein Werturteil. Werturteile beruhen not- wendig auf weltanschaulichen Elementen. Rechtsnormen sind also immer ein Stück normativ verfestigter Ideologie. Sie sind der Spiegel der jeweiligen leitenden Interessen, Gerechtig- keitsvorstellungen und Herrschaftsideologien der Normsetzer.“1273 Diese rechtstheoretischen Ausführungen von Rüthers können auch als Leitschnur für die vergleichende Betrachtung des Rechts der nichtehelichen Kinder in bei- den Teilen Deutschlands gelten. Dieses ist über den gesamten Beobachtungs- zeitraum von dem unmittelbaren Zusammenhang mit den sich wandelnden An- schauungen über die Ehe geprägt,1274 wobei das Leitbild von Ehe und Familie inzwischen teilweise als verloren beklagt wird.1275 Deren Schutz war aber in der Rechtsentwicklung zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts ein stetiges Argu- ment, die rechtliche Gleichstellung der nichtehelichen Kinder zu behindern. In beiden Teilen Deutschlands zeigte sich jedoch, dass abseits aller staatlichen Vorstellungen und unbeeinflusst von allen Rechtsnormen die nichteheliche Ge- burt eine immer größere Verbreitung fand.1276 Dem folgte – mit unterschiedlicher 1273 Rüthers, Recht und Juristen, NJ 2003, S. 340. 1274 Zu dem verfassungsrechtlichen Wandel des Schutzes der Ehe unter der Geltung des Grund- gesetzes: Zuck, Die verfassungsrechtliche Gewährleistung der Ehe im Wandel des Zeit- geistes, NJW 2009, S. 1449. Kinder, unabh...

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