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(Un)Höflichkeit

Eine kulturologische Analyse- Deutsch – Italienisch – Polnisch

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Silvia Bonacchi

Das Buch liefert einen umfassenden theoretischen Rahmen für eine kulturologische Untersuchung der sprachlichen (Un)Höflichkeit im Deutschen, Italienischen und Polnischen. (Un)Höflichkeit lässt sich nicht auf einen bestimmten Aspekt (un)freundlicher Umgangsformen reduzieren, sondern bezeichnet einen komplexen interaktionalen und relationalen Prozess, der sprachlich multimodal realisiert wird. Betont wird dabei die handlungsleitende Dimension von (Un)Höflichkeitsakten in den jeweiligen Einzelsprachen. Eine besondere Aufmerksamkeit wird der rituellen Dimension und dem Machtaspekt gewidmet. Der Wandel der (Un)Höflichkeitsformen im Zeitalter der neuen Kulturtechniken wird am Beispiel der Netiquette und der Höflichkeit mit virtuellen Agenten analysiert. Hingewiesen wird auf glottodidaktische Implikationen, wobei Höflichkeitskompetenz als Teil einer grundlegenden dialogischen – kommunikativen, sozialen und pragmatischen – Kompetenz betrachtet wird.

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1. Sprache und Kultur in der kulturologischen Betrachtung

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Die vorliegende Arbeit stellt einen Versuch dar, das kommunikative Phänomen, das mit den Ausdrücken „Höflichkeit“ und „Unhöflichkeit“ bezeichnet wird, kul- turologisch zu analysieren. Kulturologie als relativ neue wissenschaftliche Diszi- plin4 ist dem zunehmenden Bewusstsein entsprungen, dass Linguistik sensu stricto keine sich selbst genügende Disziplin sein kann und dass die wissenschaftliche Be- trachtung von alledem, was unter „menschliche Sprachen“, „menschliche Kultu- ren“, „menschliche Kommunikation“ subsumiert wird, eine interdisziplinäre Forschungspraxis erfordert, die wiederum eine grundlegende Reflexion, mitunter ein Umdenken über deren theoretische Grundannahmen voraussetzt. Kulturologie soll im Rahmen der Perspektive einer „entgrenzten Linguistik“ 5 betrachtet werden, in der „Sprache“ als kulturell bedingtes Ausdrucks- und Signifikationssystem auf- gefasst wird. Den Ausgangspunkt der kulturologischen Forschung stellt der Mensch als Kul- tursubjekt, d.h. der Mensch als „sprach-, wissens- und kulturgenerierendes“ Wesen dar (Grucza F. 1997: 15). „Sprache“ und „Kultur“ werden nicht als substantielle bzw. autonome Größen aufgefasst, die dem Menschen „extern“ sind, sondern als ein dynamisches Gefüge interagierender menschlicher Eigenschaften, die synchro- nisch und/oder diachronisch erforscht werden können. Dabei wird die Aufmerk- samkeit von „Sprache“ und „Kultur“ als etwas, was die Menschen gleichsam besitzen bzw. „von außen“ erwerben, auf die konkreten sprachlichen und kulturel- len Eigenschaften verschoben, mit denen die Menschen naturgegeben ausgestattet sind und die im Laufe der ontogenetischen Entwicklung zu Fähigkeitenkomplexen6 (Kompetenzen) entwickelt werden (anthropozentrische Forschungsperspektive). Kommunikativen Gemeinschaften (Sprachgemeinschaften, Kulturgemeinschaften, Diskursgemeinschaften) liegen kollektive Sprach-, Kultur- und Kommunikations- kompetenzen zugrunde, die auf Wissensbeständen basieren, die ihren Mitgliedern „gemeinsam“ sind bzw. von ihren...

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