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Napoleon III.

Macht und Kunst

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Heiner Wittmann

Nach zwei gescheiterten Umsturzversuchen gelingt es Louis-Napoléon 1848 legal die Macht zu erringen. Er wird der erste Staatspräsident Frankreichs. Mit dem Staatsstreich vom 2. Dezember 1851 verliert er die Unterstützung vieler Künstler und Intellektueller. Als Kaiser macht er den Dialog zwischen Tradition und Moderne zu einer Strategie für eine tiefgreifende Modernisierung Frankreichs. Es ist aber die Kunst, die in jeder ihrer Ausdrucksformen und mit ihrer Überlegenheit über die Politik die Entwicklung des Zweiten Kaiserreichs maßgeblich beeinflusst. In dieser Studie werden der Beitrag und die Opposition von Künstlern, Literaten und Intellektuellen zum Zweiten Kaiserreich untersucht und vorgestellt.

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Kunst und Bohème

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„Die moderne Bohème findet ihre Ahnen in allen künstlerischen und literari- schen Epochen,“53 so beginnt Henri Murger seine Definition der Bohème. Sie beschreibt die Lehrzeit der künftigen Künstler. Murger will die Bohème aus- drücklich als nicht zeitgebunden verstanden wissen.54 Sein kurzer historischer Abriss zeigt die Künstler aller Epochen, die sich in alles einmischen, spätestens seit der Renaissance am „Fieber des Genies“ teilhaben und die Künste als Riva- len Gottes auf die Ebene der Könige stellen. Jedem, der sich bar jeder Mittel für die Kunst entscheidet, bleibt nur die Bohème. Murger definiert die Bohème als ein Praktikum des Künstlerlebens, das „Vorwort für die Akademie“. Und er fügt einschränkend hinzu, die Bohème gebe es nur in Paris. Zu ihr gehören die zur Kunst Berufenen, die eine Chance haben, erwählt zu werden. Sie leben zwischen der Misere und dem Zweifel. Dazwischen finden sie ihren Weg zum Erfolg. Es ist ihre Ungebundenheit, die Autonomie ihrer Kunst, ihre Freiheit, mit der diese Maler sich ihre Initiative bewahren. Es gibt kaum Anspielungen auf die Politik, fast scheint es so, als lebten die Bohème-Künstler in ihrer eigenen Welt. Der Maler Marcel, der Dichter Rodolphe mit seiner Freundin Mimi Pinson, der Musiker Alexandre Schaunard und der Philosoph Gustave Colline führen sechs Jahre lang ein unstetes Künstlerleben. Murger beschreibt eine Künstlerwelt, die einen durch Politik und Gesellschaft eng ge- setzten Rahmen einfach...

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